Das Weinanbaugebiet Württemberg


"Der Trollinger" ein württembergisches Urgestein - Foto: A. Kircher-Kannemann


Das Weinanbaugebiet Württemberg erstreckt sich von Bad Mergentheim, östlich von Heidelberg gelegen, bis hin nach Tübingen bzw. Rottenburg am Neckar. Es zählt zu den vier größten Anbaugebieten Deutschlands und ist in diesem Kreis das einzige in dem mit über 70 Prozent Anteil mehr Rot- als Weißwein angebaut wird.
In insgesamt fünf Bereiche gliedert sich das Anbaugebiet Württemberg, der weitaus größte dieser Bereiche ist das „Württembergische Unterland“ (nördlich von Stuttgart gelegen vom badischen Kraichgau bis zum Bottwar-Tal im Osten) mit 9220 Hektar, gefolgt vom Bereich „Remstal-Stuttgart“ mit 1809 Hektar, „Kocher-Jagst-Tauber“ mit 433 Hektar, dem Bereich „Oberer Neckar“ (Bereich Tübingen und Reutlingen) mit 31 Hektar und schlussendlich dem Bereich „Württembergischer Bodensee“, der gerade einmal 18 Hektar klein ist.[1]


 

Foto: A. Kircher-Kannemann

 

Klima und Geologie in Württemberg

Die Geologie dieses großen Gebietes ist sehr unterschiedlich, es gibt hier sowohl Lößböden, als auch Kalk- und Sandsteinböden bis hin zu vulkanischem Untergrund. Dies ermöglicht es im Grunde jedem Ort in den fünf bzw. sieben Anbauregionen Württembergs, als da wären Kocher-Jagst-Tauber und Hohenlohe, Weinsberger Tal, Unteres Neckartal, Heuchelberg, Stromberg und Enztal, Mittleres Neckartal und Bottwartal sowie Remstal und Stuttgart, einen Wein mit eigenem Geschmack und Charakter anzubauen.
Erkunden lässt sich dieses Anbaugebiet am besten über die Württembergische Weinstraße, die in der Nähe von Bad Mergentheim beginnt und sich bis nach Metzingen, östlich von Tübingen erstreckt. Auf dieser über 500 Kilometer langen, sich am Neckar und seinen Seitentälern entlang schlängelnden Straße, lassen sich nicht nur schöne Weinwochenenden bei den über 200 Weinveranstaltungen und Festen erleben, sondern besser gleich ganze Urlaubswochen in der klimatisch milden Region verleben.
Schon der in Lauffen geborene Friedrich Hölderlin schwärmte von den Tälern der Region und auch Schiller, Mörike und Hegel, die alle aus Württemberg stammten, verewigten die Schönheit der Landschaften. Nicht zuletzt dem in Ludwigsburg geborenen Dichter Justus Kerner wurde die besondere Ehre zuteil Namensgeber einer Rebsorte zu werden.

 
Burg Württemberg, die Wiege des Hauses Württemberg, Kupferstich von Eberhard Kieser, 1624 [Public domain], via Wikimedia Commons

Geschichte des Anbaugebiets Württemberg

Ein erster urkundlichen Nachweis über Weinanbau in Württemberg stammt aus einer Schenkungsurkunde des Klosters Lorsch und datiert aus dem Jahr 766. Es ist allerdings anzunehmen, dass der Weinbau in Württemberg schon deutlich länger betrieben wird und ggf. schon durch die Römer im 2. nachchristlichen Jahrhundert eingeführt wurde.
Auch in Württemberg waren es, wie nahezu überall in Deutschland, die Klöster, die den Weinbau verbreiteten und auch selbst betrieben, denn sie benötigten Messwein. Insbesondere im 12. Jahrhundert kam es zu vielen Neugründungen von Klöstern und so verbreitete sich auch der Weinbau immer mehr. In Württemberg tat er dies so sehr, dass die Region reichlich Überschüsse produzierte, die überallhin nach Mitteleuropa exportiert wurden. Spätestens ab dem 16. Jahrhundert war der Wein vom Neckar bekannt und beliebt. Es war vor allem die Rebsorte Klevner (Blauer Frühburgunder) die allerorten gerne getrunken wurde.

Auch für die Landesherrschaft hatte der Weinbau eine große Bedeutung, denn er trug einen nicht  unerheblichen Teil zu den Steuereinkünften bei und so war es verständlich, dass sich die Landesherren und Herzöge von Württemberg in ihren Verordnungen auch um den Weinbau kümmerten, so etwa Herzog Friedrich I. (1557-1608), der am 10. Juli 1607 eine Herbstordnung erließ, die Vorschriften für den Weinbau beinhaltete. Verordnet wurden hierin etwa die Lesezeiten der Trauben sowie gewisse Rechte zur Vorlese. Zusätzlich enthält die Herbstordnung Angaben über die Ausrüstung der Keltern, die Funktion der Keltermeister und Kelterknechte und wie das Versauern des Weins zu verhindern sei.[2]
 
Topographisches Einzelblatt des Herzogtums Württemberg von circa 1619, Kartograph: Pieter van den Keere [Public domain], via Wikimedia Commons
Der Dreißigjährige Krieg führte, wie nahezu überall in Deutschland, zu einem massiven Einbruch in der Landwirtschaft und so auch im württembergischen Weinbau. Die Verheerungen des Krieges und der zum Teil massive Bevölkerungsverlust über drei Jahrzehnte hinweg führten dazu, dass nicht nur die Rebflächen weniger wurden sondern auch die Qualität der Weine sank und man versuchte mit Hilfe von neuen Rebsorten, die einen hohen Ertrag versprachen, dies auszugleichen. Viele dieser Rebsorten aber reiften im württembergischen Klima nicht aus, so dass die Weine sich nur zu niedrigen Preisen verkaufen ließen, aber die Masse der Erträge sicherte den Weinbauern dennoch ihre Einkünfte. Erlasse seitens der regierenden Fürsten diese Rebsorten nicht mehr anzubauen und stattdessen wieder auf qualitativ hochwertige Reben und Weine zu setzen blieben erfolglos.

Die Familie König Wilhelms I. auf einem Erinnerungsblatt zum 25.jährigen Regierungsjubiläum: König Wilhelm I. und Pauline von Württemberg (oben), Sophie (links in der Mitte), Kronprinz Karl (zentral), Marie (rechts in der Mitte), Katharina (unten links) und Auguste (unten rechts). (Original bei der Universitätsbibliothek Tübingen) [Public domain], via Wikimedia Commons

König Wilhelm I.  von Württemberg (1781-1864) war es, der zu Beginn des 19. Jahrhunderts damit begann eine Veränderung herbeizuführen. In seinen eigenen Weinbergen und Kellereien betrieb er intensive Studien und Forschungen bzgl. Rebsorten, Traubengärung und Weinbereitung. Er war es, der den Riesling aus dem Rheinland in Württemberg einführte  und daraus Schaumweine herstellen ließ. Zu seinen Bemühungen hinzu kam die Gründung einer Weinverbesserungsgesellschaft, die ab 1825 nicht nur den Qualitätsweinbau propagierte sondern auch hochwertige Reben verteilte. Da aber die meisten Weinbauern sich eine solche Umstellung nicht leisten konnten, denn sie hätte jahrelange Ertragseinbußen mit sich gebracht, blieben zunächst noch die ertragreichen und qualitativ minderwertigen Rebsorten erhalten. Erst die in den 1880er Jahren steigende Bedrohung durch Falschen Mehltau (Peronospora) brachte ein Umdenken. Vermehrt wurden nun Hybridreben gesetzt, die resistenter gegen diese Pilzerkrankung waren. Im Zuge dieser Neuorientierung und Umgestaltung der württembergischen Weinlandschaft entstanden auch die ersten Weingärtnergenossenschaften, die heute in besonderem Maße das Bild des württembergischen Weines prägen, denn annähernd 74 Prozent der bewirtschafteten Rebflächen in Württemberg sind heute Teil einer der 49 Genossenschaften mit ihren knapp 15.000 Mitgliedern, nur noch knapp 18 Prozent der in Württemberg ansässigen Winzer stellen ihre Weine vollständig selber her und vertreiben sie selber.


Foto: A. Kircher-Kannemann

Rebsorten in Württemberg

Württemberg ist eines der wenigen deutschen Weinanbaugebiete in denen primär Rotwein angebaut wird. Auf den gut 11.000 Hektar Rebfläche haben die Rotweine einen Anteil von 71 Prozent. Den höchsten Anteil unter den Rotweinen hat dabei der Trollinger (gut 21 Prozent), er ist sozusagen das Nationalgetränk der Schwaben und wird auch fast nur in Württemberg angebaut. Seine Vorliebe für nährstoffreiche und tiefgründige Keuper- und Muschelkalkböden lässt ihn in diesem Anbaugebiet eine ideale Heimat finden. Dieser eher leichte Rotwein mit hohem Säureanteil und einem Aroma nach roten Johannisbeeren und Wildkirschen ist ein süffiger und dezenter Begleiter zu vielen Speisen und kann sogar noch an warmen Sommertagen gekühlt sehr gut getrunken werden.
Eine weitere vor allem in Württemberg beheimatete Rotweinsorte ist der Lemberger, auf ihn entfallen etwa 14,5 Prozent der Rebfläche, gefolgt wird er vom Schwarzriesling. Weitere Roweinsorten wie Spätburgunder, Portugieser, Dornfelder, Samtrot und Acolon und spielen dagegen im Vergleich zu den großen „Drei“ eine eher untergeordnete Rolle.
Unter den Weißweinrebsorten ist es vor allem der Riesling auf den sich die Württembergischen Winzer spezialisiert haben. Weitere häufig angebaute Weißweinsorten sind Kerner, Müller-Thurgau, Silvaner und Grauburgunder, der hier vor allem unter der Bezeichnung Ruländer firmiert.


Statistik der Rebsorten in Württemberg[3]

Rebsorte
Fläche in Hektar
Prozentualer Anteil
Blauer Trollinger
2399
21,1
Blauer Lemberger
1653
14,5
Schwarzriesling
1571
13,8
Blauer Späburgunder
884
7,8
Samtrot
411
3,8
Dornfelder
330
3
Blauer Portugieser
158
1,4
Sonstige Rotweine
613
5,6
Riesling
2096
18,2
Müller-Thurgau
325
2,9
Kerner
309
2,8
Ruländer
138
1,2
Silvaner
106
1
Sonstige Weißweine
365
2,9


Foto: A. Kircher-Kannemann

Aktuelle Trends für Rebsorten in Württemberg

Die Trends in Württemberg sind seit Jahren klar ablesbar: zum einen erhöht sich der Anteil der Rotweinsorten immer stärker, waren es im Jahr 1964 54,3 Prozent der Rebfläche, die mit verschiedenen Rotweinreben bestockt war, so beträgt der Anteil heute satte 71 Prozent. Und da die Liebe der Deutschen zu Rotweinen bis dato ungebrochen ist, wird sich dieser Anteil wohl auch so bald nicht senken.  Auffallend ist jedoch, dass der prozentuale Anteil des Trollinger trotz erheblichen Ausbaus von absolut 1655 Hektar 1964 auf 2399 Hektar im Jahr 2012 sank und zwar von 28,4% auf nunmehr 21,1%. Wohingegen der Samtrot ebenso wie der Spätburgunder und vor allem der Lemberger ihren Anteil deutlich steigern konnten. Der Lemberger etwa von 6,0% auf 14,5%. Gleiches gilt für den Schwarzriesling, dessen Anteil 1964 bei nur 4,7% lag und der heute 13,8% der bestockten Rebflächen einnimmt.
Der Anteil der Weißweinsorten sinkt in Württemberg stetig, betrug er zur Hochzeit 19798 noch 49 Prozent und war damit fast pari mit den Rotweinen, liegt er nunmehr bei nur noch 29 Prozent. Den größten Anteil hatte und hat immer noch der Riesling mit 18,2% (zu 24% im Jahr 1979). Erhebliche Einbußen erlitt der Müller-Thurgau sein Anteil am Gesamtertrag sank von 10,5% im Jahr 1979 auf nunmehr nur noch 2,9%. Noch drastischer erging es dem Silvaner, der ehemals 1964 13,1% der bestockten Rebfläche einnahm und heute nurmehr 1%.

 

Foto: A. Kircher-Kannemann

 

Statistik der Rebflächen in Württemberg[4]


1964
1979
2012
Rebsorten
Hektar
%
Hektar
%
Hektar
%
Blauer Trollinger
1655
28,4
1945
22,4
2399
21,1
Blauer Lemberger
350
6
400
4,6
1653
14,5
Schwarzriesling
275
4,7
981
11,3
1571
13,8
Blauer Spätburgunder
61
1
274
3,2
884
7,8
Samtrot
30
0,5
75
0,9
411
3,8
Dornfelder
-
-
85
1
330
3
Blauer Portugieser
617
10,6
395
4,6
158
1,4
Sonstige rote Rebsorten
179
3,1
264
3
613
5,6
Rote Rebsorten gesamt
3167
54,3
4419
51
8019
71
Riesling
1444
24,8
2080
24
2096
18,2
Müller-Thurgau
365
6,3
913
10,5
325
2,9
Kerner
5
0,1
558
6,4
309
2,8
Ruländer
10
0,2
40
0,5
138
1,2
Silvaner
764
13,1
543
6,3
106
1
Sonstige weiße Rebsorten
70
1,2
112
1,3
365
2,9
Weiße Rebsorten gesamt
2658
45,7
4246
49
3339
29
Bestockte Rebfläche gesamt
5825

8665

11358



Weinorte und Sehenswürdigkeiten in Württemberg

Wimpfen Postkarte 1904 Von unbekannt - unbekannt, PD-alt-100, https://de.wikipedia.org/w/index.php?curid=265943

 

Kaiserpfalz Bad Wimpfen

Mit einer Länge von 215 Metern, einer Breite von 88 Metern und ehemals drei Bergfrieden ist die Pfalz in Wimpfen die größte Pfalzanlage aus staufischer Zeit. Hoch über dem Neckar auf einem Bergsporn gelegen hat sie noch heute einen Teil ihres ehemaligen Mauerringes und bewacht nach wie vor die Region. Kaiser Friedrich Barbarossa (1152-1190) war es, der den Bau dieser Pfalz veranlasste. Nach seinem Tod kamen die Arbeiten an der riesigen Anlage zunächst ins Stocken und erst Kaiser Friedrich II. (1194-1250) ließ etwa um das Jahr 1217 die Bauarbeiten fortsetzen. Auch sein Sohn und Mitregent Heinrich (VII.) (1211-1242) war unter Umständen am Weiterbau der Pfalz beteiligt.
100 Jahr lang herrschte die Pfalz über den Neckar, dann, etwa in den 1320er Jahren, wurde die Anlage durch einen Brand zerstört. Daraufhin wurde die Pfalz aufgegeben. Der Palas und ein Bergfried wurden abgetragen. Schon in den 1330er Jahren wurde die Pfalz kaum mehr von den Königen und Kaisern genutzt. Stattdessen wurde zumindest ein Teil der Burganlage an die Stadt Wimpfen verkauft und es entstanden dort Wohnhäuser. 1359 ging ein weiterer Teil in den Besitz des Klosters Schöntal über und im Jahr 1391 ist von Scheunen die Rede, die sich im Burgareal befanden. Bereits zu diesem Zeitpunkt also war der militärische und repräsentative Charakter der Pfalzanlage gewichen und hatte einer städtischen und bäuerlichen Nutzung Platz gemacht. Heute ist das einst so stolze Bauwerk mit der im Westen angrenzenden Stadt verschmolzen und trägt den Namen Burgviertel.
Aber noch immer sind große Teile erhalten und zeugen von der einst wirkmächtigen Geschichte. So etwa der Palas, ein repräsentativer Saalbau, der einst das zentrale Gebäude der Anlage darstellte. Erhalten sind die Nord- und Ostmauer mit ihren Arkaden. Vollständig erhalten ist die Pfalzkapelle, die dem Heiligen Nikolaus von Myra geweiht war.  Im Jahr 1333 wurde sie von König Ludwig dem Bayern (1282-1347) dem Benediktinerkloster Sinsheim übertragen. Zu jener Zeit wurde die ursprünglich romanische Kapelle gotisch umgebaut und durch eine Sakristei ergänzt. Nach vielen Wechselfällen wurde das Gebäude 1833 an einen Wimpfener Bürger verkauft, der es zu einem dreigeschossigen Wohnhaus umbauen ließ. Zwischen 1909 und 1911 wurde die Kapelle im historistischen Stil wieder rückgebaut und dient heute als kirchenhistorisches Museum.
Wohl als dritter Bergfried um 1217 errichtet ist der „Blaue Turm“ heute das Wahrzeichen der Stadt Bad Wimpfen. Durch einen Brand wurde er 1848 zerstört und in den Jahren 1851 und 1852 wieder aufgebaut. 1984 traf ein Blitz den Turm und er brannte erneut vollständig aus. Noch im selben Jahr begann man mit dem Wiederaufbau, der 1985 abgeschlossen war. Heute ist er die Wohnung eines Türmers, der ganzjährig hier wohnt und kann besichtigt werden.

Ansicht von Liebenstein, Neckarwestheim, aus den Forstlagerbüchern von Andreas Kieser; 1686; Landesarchiv Baden-Württemberg, Bestellsignatur H 107/14 Bd 6 Bl. 13, Permalink http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-513371; via Wikimedia Commons

Schloss Liebenstein mit Renaissancekapelle

Im Landkreis Heilbronn, südlich von Neckarwestheim liegt Schloss Liebenstein. Der Bau geht zurück auf eine mittelalterliche Burg der Herren von Liebenstein, die 1678 in den Besitz des Hauses Württemberg kam. Ein erster Stammherr der Neckarwestheimer Linie der Herren von Liebenstein ist im Jahr 1200 nachweisbar, es handelt sich dabei um Reinhard von Liebenstein (Lebensdaten nicht genau bekannt). Dessen Sohn Albrecht I. (Lebensdaten nicht genau bekannt) war es wohl, der zwischen 1200 und 1250 den Bau der Burganlage beginnen ließ. Dendrochronologische Untersuchungen ergaben, dass der Bergfried, der der älteste Teil der Anlage ist, zwischen 1230 und 1240 errichtet wurde.
Zwischen 1525 und 1600 wurde die Burg fast vollständig umgebaut und erhielt weitestgehend ihr heutiges Aussehen. Ganz im Stil der Renaissance gehalten machen die Gebäude weniger einen wehrhaften als mehr einen wohnlichen und repräsentativen Eindruck.
Die Schlosskapelle wurde, ebenfalls im Renaissancestil, zwischen 1590 und 1599 im Auftrag Bernhards von Liebenstein (gest. 1596) erbaut.
Die Neckarwestheimer Linie der Liebensteiner erlosch im Jahr 1657 und deren Güter fielen an Konrad I. vom unteren Haus. Dessen Erbe Philipp Albrecht verkaufte am 4. September 1673 die Hälfte des Schlosses und dessen Besitzes an Herzog Eberhard III. Von Württemberg (1628-1674), durch Tausch fiel am 28. Mai 1678 auch die andere Hälfte an das Haus Württemberg, das dort eine Stabskellerei einrichtete. 1773 versuchte die Familie von Liebenstein das Schloss zurückzuerhalten, indem sie einen Prozess gegen das Haus Württemberg anstrengte, der jedoch verloren ging.
Ab dem Jahr 1800 ließen die Württemberger das Schloss mit Absicht verfallen, da sich keine Käufer dafür finden ließen und trat 1812 die Domäne Liebenstein an das Oberfinanzkammeramt Großbottwar durch einen Tauschvertrag ab. Ein Vertrag, der allerdings 1819 rückgängig gemacht wurde, woraufhin die zuständige Hofdomänenkammer das Land und die Gebäude verpachtete und die noch erhaltenen Teile des Schlosses nun den Pächtern als Wohnung dienten.
Hohen Besuch empfing das Schloss im Jahr 1840, als der Dichter Eduard Mörike dort verweilte. In einem Brief an Familie Hartlaub schrieb der Dichter zu diesem Besuch:

„Das hochgelegne Schlößchen Liebenstein, das wir beide auf der Rückfahrt nur flüchtig gesehn, fiel mir jetzt erst recht auf und reizte mich, seine mannigfaltigen Theile näher in Augenschein zu nehmen. Es war einst der Sitz der reichen Herrn von Liebenstein, jetzt ist das Gut Wirtembergische Domäne; ausser dem Pächter welcher Gastwirth ist, wohnt nur ein Förster drauf. Die Capelle sieht nach der Steige herab, die wir zu Fuß hinanstiegen. Ihr Inneres ist bis auf die Säulen zerstört; die gegen den Hof gekehrte Facade, mit zierlicher Skulptur bedeckt, noch wohl erhalten, von gemischtem Styl; (ich schäzte die Zeit der Erbauung hiernach auf das Ende 16ten Jahrhunderts und fand in einem Wappen zuoberst vom Chor auch wirklich die Jahreszahl 1599). Die schönen gothischen Fenster des Chors, deren Eines von dichtem Epheu halbverdeckt ist, gehen nahe überm Boden in einem einsamen Zwinger heraus. Da hättest Du wohl gerne eine Pfeife im Holderschatten neben mir geraucht. An dieser Seite ist ein runder, an der andern ein etwas kürzerer achteckiger Thurm. Weiter hin verschiedene Ökonomie-Gebäude u. Das sogenannte alte Schloß, jetzt Ruine, mit einem hohen viereckigen Thurm, dann, auf der letzten Hohe das eigentliche Schlößchen, dessen heitere gelbe Aussensseite mit der Galerie Dir noch erinnerlich seyn wird.“[5]

Die Außenfassade der von Mörike als zerfallen beschriebenen Schlosskapelle wurde im Jahr 1914 renoviert. Eine umfassende Sanierung fand zwischen 1972 und 1976 statt.
Seit 1982 gehört Schloss Liebenstein der Stadt Neckarwestheim, die es einem Trägerverein zuführte, der die Anlage ab 1985 vollständig sanieren ließ. Seit 1987 ist der Bergfried restauriert und für Besucher geöffnet. Von der dort befindlichen Aussichtsplattform aus lässt sich das Umland herrlich überschauen. Die übrigen Gebäude und das sie umgebende Land werden als Golfclub genutzt.


Burg Jagsthausen 1807. Radierung; By Carl G. Brühl [Public domain], via Wikimedia Commons

Schloss Jagsthausen – Götzenburg

Berühmtheit erlangte Schloss Jagsthausen durch das Goethe-Schauspiel „Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand“, das der Dichter fälschlicherweise auf der Burg Jagsthausen spielen ließ. Fälschlicherweise deshalb, weil der historische Götz von Berlichingen (1480-1562) zwar seine Kindheit auf dieser Burg verbracht hat, sie ihm aber nie gehörte, sondern einem seinem älteren Brüder. Die Verbindung allerdings, die Goethe zwischen Götz und der Burg Jagsthausen schuf, war so prägend, dass sie seither oftmals auch als „Götzenburg“ bezeichnet wird in Anlehnung an Götz von Berlichingen. Realiter aber lebte der historische Götz auf der Burg Hornberg, die er am 13. April 1517 gekauft hatte. Berühmtheit erlangte er schon bevor Goethe sein Schauspiel über ihn schrieb, dadurch, dass er im Bauernkrieg von sogenannten „Odenwälder Haufen“ zu ihrem Anführer gemacht wurde. Götz selber war es, der ursprünglich seine Lebensgeschichte aufschrieb, die dann Goethe als Vorlage diente. Am berühmtesten ist wohl folgendes Zitat geworden: „Vor Ihro Kayserliche Majestät hab ich, wie immer, schuldigen Respect. Er aber, sags ihm, er kann mich am Arsch lecken.“[6]

Die ursprüngliche Burg Jagsthausen war der Stammsitz der Herren von Berlichingen, nachdem sie sie im 14. Jahrhundert von den ursprünglichen Erbauern, den Herren von Husen erhalten hatten. Dabei ist unbekannt, ob dies durch Kauf, durch einen Erbfall oder einen anderen Grund geschah. Auch eine eventuelle Verwandtschaft der beiden Familien liegt im Dunkel der Geschichte.
Errichtet wurde die Burg Jagsthausen als Höhenburg oberhalb des Jagsttales im heutigen Landkreis Heilbronn in Baden-Württemberg. Wann genau die ersten Teile des Baues errichtet wurden ist nicht bekannt. Die heutige Bausubstanz stammt zu großen Teilen aus dem 15. und 16. Jahrhundert. Das zentrale Gebäude ist der Palas mit Rittersaal, ein Frauenzimmerbereich sowie ein Bergfried und ein Dienstbotenbau mit Ecktürmen ergänzen das Ensemble.
Erst im 19. Jahrhundert entstand der das Schloss umgebende Garten, der von romantischer Ruinenarchitektur geprägt ist. Zwischen 1876 und 1878 wurde Jagsthausen umfangreich umgebaut und erhielt seinen heute äußerlich prägenden historistischen Stil.

Noch heute lebt die Burg vom Ruhm, den ihr Johann Wolfgang von Goethe einbrachte. Seit 1950 finden  alljährlich Festspiele im Schloss statt, bei denen neben dem berühmten Goethe Stück „Götz von Berlichingen“ auch Opern wie „Aida“ aufgeführt werden, ebenso wie andere moderne Schauspiele.
In Haupt- und Vorburg des Schlosses befinden sich heute ein Hotel, sowie ein Restaurant. In einem der Ecktürme ist ein Schlossmuseum untergebracht und noch immer werden Teile der Anlage von Mitgliedern der Familie von Berlichingen bewohnt. Zur Zeit ist dies Alexandra Freifrau von Berlichingen, deren Eheman, der ehemalige Bundespräsidente Roman Herzog, hier ebenfalls bis zu seinem Tod lebte.
Götz von Berlichingen ist eine in Württemberg vielfach immer wieder begegnende Gestalt und so gibt es zahlreiche Gebäude, die mit ihm in Verbindung gebracht werden, so auch der nach ihm benannte Götzenturm in Heilbronn. Wobei dieser fälschlicherweise so benannt wurde, denn die eine Nacht seiner Festungshaft im Mai 1519 verbrachte Götz nicht etwa in diesem Turm, sondern im Heilbronner Bollwerksturm.
Der historische Götz von Berlichingen starb im Übrigen Jahre 1562 auf seiner Burg Hornberg und nicht etwa, wie vielfach kolportiert in diesem Heilbronner Turm.


Theodor Heuss Museum, Brackenheim

Theodor Heuss, der erste Bundespräsident der 1949 entstandenen Bundesrepublik Deutschland wurde am 31. Januar 1884 in Brackenheim  in Württemberg geboren. 1890 zog die Familie in das nicht weit entfernte Heilbronn und dort besuchte Theodor Heuss zunächst die Volksschule und später auch das humanistische Karlsgymnasium, das heute ihm zu Ehren den Namen Theodor-Heuss-Gymnasium trägt. Nach seinem Abitur im Jahre 1902 begann er ein Studium der Nationalökonomie, Literatur, Geschichte, Philosophie, Kunstgeschichte und Staatswissenschaft an der Universität München, wo er 1905 zum Thema „Weinbau und Weingärtnerstand in Heilbronn am Neckar“ promovierte. Im Anschluss betätigte er sich als politischer Redakteur und leitete von 1905 bis 1912 die von Friedrich Naumann gegründete Zeitschrift „Die Hilfe“ in Berlin.
Am 11. April 1908 heiratete er Elly Heuss-Knapp (1881-1952). Getraut wurden sie vom mit Elly Knapp gut befreundeten Albert Schweitzer.
1912 wechselte Heuss als Chefredakteur zur Neckar-Zeitung nach Heilbronn und schrieb überdies für verschiedene Feuilletons, bevor er 1918 Geschäftsführer und Vorstandsmitglied des Deutschen Werkbundes wurde und 1920 dann Dozent an der Deutschen Hochschule für Politik in Berlin.
Politisch aktiv war Heuss seit dem Jahr 1903 und gehörte 1918 zu den Gründungsmitgliedern der DDP (Deutsche Demokratische Partei) für die er auch 1924 bis 1928 und 1930 bis 1933 als Abgeordneter in den Deutschen Reichstag einzog.
Heuss Werdegang in der Zeit des Nationalsozialismus ist zwiespältig, zum einen schrieb auch er antijüdische Texte und äußerte sich nicht kritisch über die neuen Machthaber, zum anderen aber verlor er sein Reichstagsmandat, einige seiner Bücher wurden verbrannt und er erhielt 1936 Publikationsverbot, so dass er nur noch unter Pseudonym veröffentlichen konnte und seine Frau die Familie durch ihre Tätigkeit in der Werbung unterhielt.
1943 zog die Familie nach Heidelberg, wo Heuss 1945 von den Amerikanern eine der ersten Zeitungslizenzen erhielt und fortan die noch heute bestehende Rhein-Neckar-Zeitung herausbrachte.
Im September 1945 wurde Theodor Heuss zum ersten Kultusminister Württemberg-Badens ernannt, lehrte seit 1946 an der Technischen Hochschule in Stuttgart und war 1948 Vorsitzender der Demokratischen Partei Deutschlands, deren westdeutscher Zweig die FDP ihn ebenfalls 1948 zu ihrem Vorsitzenden ernannte. Im selben Jahr wurde er auch Mitglied des Parlamentarischen Rates, der das Grundgesetz für die neu entstehende Bundesrepublik Deutschland ausarbeitete.
Am 12. September 1949 wurde Theodor Heuss zum ersten Bundespräsidenten gewählt und war bis 1959 in diesem Amt. Seine Frau Elly Heuss-Knapp, die erste First Lady der Bundesrepublik, gründete 1950 das Müttergenesungswerk.
Theodor Heuss starb am 12. Dezember 1963 kurz vor seinem 80. Geburtstag in seinem Haus in Stuttgart, wo er seit dem Ende seiner Amtszeit gewohnt hatte.
Seine Geburtsstadt Brackenheim richtete ihm zu Ehren eine Gedenkstätte in seinem Geburtshaus ein, die im Jahr 200 gänzlich neu gestaltet und mit multimedialer Konzeption neu eröffnet wurde.
Klicken Sie hier, um mehr Informationen zur Theodor Heuss-Gedenkstätte in Brackenheim zu erhalten.

Fotografie Eduard Mörikes - Source: Landesarchiv Baden Württemberg

Eduard Mörike Museum in Neuenstadt-Cleversulzbach

Eduard Mörike wurde am 8. September 1804 in Ludwigsburg im damaligen Herzogtum Württemberg geboren. Er wuchs als siebtes Kind des Medizinalrates Karl Friedrich Mörike und der Pfarrerstochter Charlotte Dorothea geb. Bayer mit letztlich zwölf Geschwistern auf. Als sein Vater 1817 starb kam Eduard zu seinem Onkel Eberhard Friedrich Georgii nach Stuttgart, wo er auf eine geistliche Laufbahn vorbereitet wurde. Die Zeit, die er ab 1818 im evangelischen Seminar Urach verbrachte prägte Mörike sehr und viele seine Freundschaften resultierten aus dieser Zeit. So war es auch ein Studienfreund, der ihn mit Friedrich Hölderlin bekannt machte.
Nach einem eher schlechten als rechten Examen vor dem württembergischen Konsistorium begann Mörike sein acht Jahre dauerndes Vikariat, das ihn nach Oberboihingen, Möhringe, Köngen, Pflummern, Owen, Eltingen, Ochsenwang, Weilheim an der Teck und nach Öltingen führte. Während dieser Zeit merkte er, dass der Beruf des Pfarrers nicht für ihn geschaffen war und er schrieb seinem Freund Ludwig Bauer am 9. Dezember 1827: „Du ahnst ohne Zweifel bereits den Grund jener unschmakchaften Stimmung. Das geistliche Leben ists. Ich bin nun überzeugt, es taugt nicht für mich […] der Doktor [hat mir] einen Urlaub auf einige Zeit vom Consistorium ausgewirkt [vom Dezember 1827 bis Februar 1829, Anm. d. Verf.] Meine Gesundheit kann diß sehr wohl brauchen, aber hauptsächlich will ich die Zeit dazu benutzen mir durch irgend eine Arbeit das Zutrauen des Cotta [Johann Friedrich Cotta, (1764-1832), Verleger, Anm. d. Verf.] zu erwerben um indessen durch Geschäft bei ihm einen Ausweg und von da vielleicht e. Anstellung bey einer Bibliothek zu finden.[7]
1834 waren Mörikes Wanderjahre beendet und er trat eine Stellung als Pfarrer in Cleversulzbach an. Dort lebte er mit Mutter und der jüngsten Schwester Klara im Pfarrhaus und haderte im Privaten mit den theologischen Vorstellungen seiner Zeit.
Als seine Mutter im Jahr 1841 starb beerdigte er sie auf dem Friedhof in Cleversulzbach neben der Mutter Friedrich Schillers, deren vergessenes Grab er wiederentdeckt hatte.
Über dieses Grab schrieb er 1835:
Nach der Seite des Dorfs, wo jener alternde Zaun dort
Ländliche Gräber umschliesst, wall ich in Einsamkeit oft.
Sieh den gesunkenen Hügel; es kennen die ältesten Greise
Kaum ihn noch, und es ahnt niemand ein Heiligtum hier.
Jegliche Zierde gebricht und jedes deutende Zeichen;
Dürftig breitet ein Baum schützende Arme umher.
Wilde Rose! Dich find ich allein statt anderer Blumen;
Ja, beschäme sie nur, brich als ein Wunder hervor!
Tausenblättrig eröffne dein Herz! Entzünde dich herrlich
Am begeisternden Duft, den aus der Tiefe du ziehst!
Eines Unsterblichen Mutter liegt hier bestattet; es richten
Deutschlands Männer und Fraun eben den Marmor ihm auf.
(Gedicht auf das Grab von Schillers Mutter)
Ihn selbst plagte die Gesundheit immer stärker und so beantragte er im Jahr 1843 in den Ruhestand versetzt zu werden, was auch gewährt wurde und so zog er mit nur 39 Jahren als Pensionär nach Bad Mergentheim, wo er 1851 Margarethe Speeth heiratete.
Im Jahr 1856 zog das Ehepaar dann nach Stuttgart, wo Mörike bis 1866 am Königin-Katharinen-Stift Literatur unterrichtete. 1855 wurde seine Tochter Fanny geboren und 1857 die zweite Tochter Marie. 1873 trennte er sich von seiner Frau Margarethe und zog kurzzeitig mit der jüngsten Tochter nach Fellbach, ging dann aber wieder nach Stuttgart. Hier wurde er nach seinem Tod am 4. Juni 1875 auf dem Pragfriedhof beigesetzt.
Seine Jahre in Cleversulzbach waren für Mörike besonders prägend und er lebte gerne dort. Diesem Ort setzte er ein Denkmal mit seinem Gedicht: „ Der alte Turmhahn“ in dem er schrieb:
Zu Cleversulzbach im Unterland
[...]
Ade, o Tal, du Berg und Tal!
Rebhügel, Wälder allzumal! Herzlieber Turm und Kirchendach,
Kirchhof und Steglein übern Bach!
[…]
Ade, Hochwürden, Ihr Herr Pfarr,
Schulmeister auch, du armer Narr!
Aus ist, was mich gefreut so lang,
Geläut und Orgel, Sang und Klang.
[…].“
In diesem Ort, in dem Mörike so gern gelebt hatte und in dessen Gasthaus „Zum alten Turmhahn“ sich über viele Jahre die Mörike-Freunde regelmäßig trafen, wurde 1996 ein Mörike-Museum im alten Schulhaus der Stadt neben der St. Jostkirche eröffnet, in dem sich zahlreiche Exponate finden, die das Leben des Dichters veranschaulichen.


Hölderlin Zimmer in Lauffen

Friedrich Hölderlin, einer der bedeutendsten deutschen Lyriker, wurde am 20. März 1770 in Lauffen am Neckar im damaligen Herzogtum Württemberg geboren. Sein Vater, der starb als Hölderlin zwei Jahre alt war,  war Klosterpfleger und seine Mutter eine Pfarrerstochter. 1774 heiratete sie den Weinhändler und späteren Bürgermeister von Nürtingen Johann Christoph Gok (1748-1779), der starb als der junge Hölderlin gerade einmal neun Jahre alt war.
Seine Mutter bestimmte für ihn eine Laufbahn als Pfarrer und so besuchte Friedrich Hölderlin eine evangelische Klosterschule in Denkendorf und später in Maulbronn. Danach begann er ein Studium an der Universität in Tübingen, wo er den gleichaltrigen Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770-1831) und den fünf Jahre jüngeren Friedrich Wilhelm Joseph Ritter von Schelling (1775-1854) kennenlernte, die in späterer Zeit beide als Philosophen von sich reden machen sollten.
Anders als sein Freund Mörike weigerte sich Hölderlin erfolgreich die Laufbahn des Pfarrers einzuschlagen und verdingte sich lieber als Hauslehrer bei wohlhabenden Familien. Das so verdiente Geld ermöglichte ihm den Besuch der Universität in Jena, wo er die Vorlesungen Johann Gottlieb Fichtes (1762-1814) hörte. Der Aufenthalt in Jena war prägend für ihn, denn hier lernte er auch die beiden wohl bedeutendsten Dichter seiner Zeit Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) und Friedrich Schiller (1759-1805) kennen. Zudem begnete er hier auch Friedrich von Hardenberg (1772-1801), der unter dem Pseudonym Novalis zu einem der bedeutendsten frühromantischen Dichter werden sollte.
Nachdem er Jena fluchtartig verlassen hatte, weil er dachte sein großes Vorbild Schiller enttäuscht zu haben, arbeitete er ab 1796 wieder als Hauslehrer. In den folgenden Jahren wechselte er oft seine Stellungen und es trieb ihn in die Schweiz, nach Hamburg und zurück nach Württemberg. 1804 erhielt er die Stellung eines Hofbibliothekars beim Landgrafen Friedrich V.  von Homburg (1748-1820). In einem etwas undurchsichtigen Prozess wurde Hölderlin 1805 für „dem Wahnsinn und der Raserei verfallen“ erklärt und in die Tübinger Universitätsklinik verbracht. Mit der Behandlung wurde der junge Medizinstudent Justinus Kerner (1786-1862) betraut, der nachmalig nicht nur als Arzt, sondern auch als Dichter von sich reden machen sollte.
1807 wurde Hölderlin als unheilbar entlassen und von der Familie des Tübinger Tischlers Ernst Zimmer in Pflege genommen. Hier bewohnte er bis zu seinem Tod am 7. Juni 1843 eine Turmstube oberhalb des Neckar. Seine Grabstätte findet sich auf dem Tübinger Stadtfriedhof.
Seine Geburtsstadt Lauffen richtete ihm im Museum im Klosterhof ein eigenes Zimmer, das Hölderlinzimmer, ein mit zahlreichen Exponaten, die das Leben des Dichters veranschaulichen. Vom Klosterhof in dem Friedrich Hölderlin die ersten vier Jahre seine Lebens verbrachte, sind nur wenige Reste erhalten, so etwa Teile des Kreuzganges und die die 1923 wieder errichtete Klosterkirche, die heute das Museum der Stadt Lauffen beherbergt.
Gerne wird hier in Lauffen das Gedicht „Der Wanderer“ zitiert, von dem viele meinen, dass Hölderlin es für die Heimat seiner Kindheit schrieb:
„[...]
Aber jetzt kehr' ich zurück an den Rhein, in die glückliche Heimat
Und es wehen, wie einst, zärtliche Lüfte mich an.
[…]
Seliges Land! Kein Hügel in dir wächst ohne den Weinstock,
Nieder ins schwellende Gras regnet im Herbste das Obst.
[…]
Heimatliche Natur! Wie bist du treu mir geblieben!
[…]
Noch gedeihn die Pfirsiche mir, noch wachsen gefällig
Mir ans Fenster, wie sonst, köstliche Trauben herauf.
[…]
Mildere Sonne! Zu dir kehr ich getreuer und weiser,
Friedlich zu werden und froh unter den Blumen zu ruhn.“



Weinfeste und Veranstaltungen in Württemberg

Zunftmarkt Bad Wimpfen

Der Zunftmarkt in Bad Wimpfen ist in jedem Jahr am letzten Augustwochenende eine Attraktion und ein Touristenmagnet. Er beruht auf dem ehemaligen Hafenmarkt, den König Wenzel (1361-1419) im Jahr 1391 der Töpferzunft der Reichsstadt Wimpfen gewährte. Heute finden sich alljährlich auf diesem Markt mittelalterliche Kunsthandwerker ein, wie Beutelschneider, Lampenmacher, Glasbläser, Instrumentenbauer, Kalligraphen, Bürstenmacher, Weber und viele viel mehr. Rund herum gibt es mittelalterliche Musik und auch Tanz. Für gute Unterhaltung ist also gesorgt. Klicken Sie hier, wenn Sie mehr Informationen zum Zunftmarkt in Bad Wimpfen erhalten möchten.

Weinmessen

Kennenlernen und genießen können sie die Württemberger Weine besonders gut auf einer der Weinmessen der Württemberg Classics in Duisburg, Dresden, München und Berlin. Die Termine finden sie hier: http://www.bwclassics.de/termine.php



Ein wunderbares Buch für alle die sich für die württembergische Weingeschichte inetressieren
Foto: A. Kircher-Kannemann

 




[2]Genauere Angaben zum Inhalt der Herbstordnung finden sich bei Immanuel DORNFELD, Die Geschichte des Weinbaus in Schwaben: Eine geschichtliche Darstellung des Weinbaues und des damit in Verbindung stehenden Weinverkehrs in Schwaben von der ältesten bis auf die neueste Zeit, Stuttgart 1868, hier vor allem S. 141f.
Volltext unter: http://books.google.de/books?id=h9E6AAAAcAAJ&pg=PA141&dq=herbstordnung+1607+w%C3%BCrttemberg&hl=de&sa=X&ei=7DnxUYSJJYjBtAaI5YCwBA&ved=0CE4Q6AEwBQ#v=onepage&q=herbstordnung%201607%20w%C3%BCrttemberg&f=false

[3]Die hier genannten Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2012 und wurden vom Statistischen Landesamt Baden-Württemberg veröffentlicht.
[4]Die hier genannten Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2012 und wurden vom Statistischen Landesamt Baden-Württemberg veröffentlicht.
[6]Johann Wolfgang von Goethe: „Götz von Berlichingen“, 1773, S. 133, Dritter Akt, s. http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Goetz_von_Berlichingen_%28Goethe%29_1773_133.jpg

[7]Brief in: Eduard Mörike: Du bist Orplid, mein Land! Das ferne leuchtet. Gedichte, Prosa, Briefe, hg. v. Bernhard Zeller, Frankrfurt-Leipzig 2004, S. 59f.

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