Nachlese zur 111. Weinrallye und ein Abgesang


Man schrieb den 30. Tag des Monats Juni Anno Domini 2017 und niemand ahnte zu diesem Zeitpunkt, dass eben dieser Tag ein irgendwie historischer Tag werden sollte, denn eigentlich war es ein ganz normaler Weinrallye-Tag, so wie in nahezu jedem Monat seit über zehn Jahren.
Es war der letzte Freitag des Monats und seit über zehn Jahren war eben dies der Tag an dem sich Weinblogger aus aller Herren Länder trafen, um Geschichten über Weine zu erzählen, über Weinmacher, über sich selbst oder über irgendetwas, das mit Wein in Verbindung steht.
Das Häuflein jener, die sich trafen, war mal größer und mal kleiner. Hin und wieder legte man auch mal eine Pause ein, aber dann ging es wieder los. Man traf sich, man tauschte Geschichten aus. Man freute sich über die Geschichten der Anderen, man lernte, man wurde neugierig, man machte sich Notizen und man diskutierte.
So sollte es auch an eben jenem 30. Juni des Jahres 2017 sein; sollte …



Weinrallye 111 – Weingeschichte(n)

 

In diesem Monat war ich dran. Das allererste Mal. Eine Herausforderung! Ein wenig Unwohlsein und gleichzeitig viel Vorfreude, die sich da in mir breitmachten. Ich bastelte also ein Logo und erzählte allen von dieser superschönen Weinrallye, die ich unter dem Motto „Weingeschichte(n)“ – passend zum Namen meines Blogs – ausrichtete.

Der erste, der sich meldete war Alexander Ley. Er ist Leiter des Winzerkellers im Taubertal und wir kennen uns seit vielen Jahren; haben uns einst auf einer Weinmesse kennengelernt. Schon vor einer Weile hatte er mir von seinem Strohwein erzählt (und vorgeschwärmt), den sein Kellermeister Joachim Krumrey zusammen mit einem Praktikanten aus Italien, Lorenzo Dara, kreiert hatte. Ein tolles Projekt, von dem er nun auf meinem Blog erzählte und welches er mit einfach wundervollen stimmungsvollen Bildern garnierte, die das „Rumpelstilzchen aus dem Taubertal“ zum Leben erweckten.

Auch Peter Züllig erzählte uns eine wundervolle Weingeschichte. Sie reichte zurück bis in biblische Zeiten und entführte uns auf den Berg Ararat, dorthin, wo einst die Arche Noahs gelandet sein soll und dorthin, wo das älteste Weinland der Welt ist: Armenien. Er lässt uns hineinblicken in eine „Weinfabrik“ aus sowjetischer Zeit und stellt uns einen wahrlich ungewöhnlichen Weinmacher vor und es stimmt: „Bilder sagen mehr als Worte“! Die Tausende Jahre alte Höhle in der Weine gemacht und gelagert wurden, die moderne Technik der heutigen Zeit, das alles wird lebendig in dieser Weingeschichte.

Torsten Hammer erzählte uns eine beinah unglaublich klingende Geschichte von zwei Weinen, die gleich und doch wieder nicht gleich sind, wie ihm mit Hilfe eines Freundes auffiel, denn nicht nur der Preis dieser beiden Priorat-Wein-Ausgaben war durchaus verschieden, auch der Geschmack wollte so gar nicht gleich sein, wie sich bei einer Verkostung herausstellte. So musste Torsten zum Sherlock Holmes des Priorat-Weins werden, um das Geheimnis des Montsalvat zu lüften. Es bedurfte unglaublicher Akribie und gelang nur deshalb, weil der Winzer offenbar ein ehrlicher Mann ist, dem seine Kunden am Herzen liegen.




Auf die Lieblingsinsel der Deutschen ging es dann mit Juliane Gassert. Sie war unsere Reise- und Weinführerin durch alte Gemäuer und moderne Kelleranlagen der Finca Mandia Vell, die zu den ältesten Fincas Mallorcas zählt. Es ist ein deutscher Winzer (wen wundert’s 😉), der sich hier dem mallorquinischen Wein verschrieben hat. Der gebürtige Pfälzer hat seine ganz eigene Philosophie, die er an diesem historischen Ort umsetzt und eine sehr eigene Handschrift, die er seinen Bioweinen mitgibt. Eine spannende Geschichte, die einlädt die Finca und ihr Weingut einmal selbst zu besuchen und zu erkunden.



Den Nachzügler der Weinrallye gab bei der Nummer 111 Thomas Günther. Getreu dem Motto, dass die besten Geschichten auf der Straße liegen, begab er sich auf eine eben solche. Genau gesagt war es die D117, die durch das Agly-Tal führt zwischen Saint-Paul-de-Fenouillet und Perpignan. Wir waren also vom Taubertal über Armenien und Mallorca nach Frankreich gereist. Eine ganz schöne Strecke.
Hier in Frankreich erwartete uns ein Rotwein – ein Bio-Rotwein, denn hier im Süden Frankreichs sind die Bedingungen für den Anbau einfach ideal, um Bioweine zu produzieren. Der Wein, den Thomas Günther für uns ausgesucht hatte stammt von der Genossenschaft Vignerons Catalanes, gegründet 1964 und seine Geschichte ist die Geschichte des Bioweins, denn einst war alles Biowein.

Ich selbst hatte eine kleine Liebesgeschichte aufgeschrieben – meine Liebesgeschichte zu diesem elysischen Getränk – Wein - und seiner spannenden und interessanten (Kultur-)Geschichte.

Herrliche Geschichten an einem eigentlich herrlichen Tag, der nur ein wenig davon getrübt wurde, dass ich zwischenzeitlich das Lesen und Kommentieren unterbrechen musste, weil sich in meinem Badezimmer eine Dichtung in einer Wand verabschiedete mit der Folge, dass ich zeitweilig ein ausgesprochen luxuriöses Bad mit fließend warmem Wasser hatte - die Wand herunter, was nicht ganz so schön war. Dank sei hier noch einmal meinem lieben italienischen Klempner ausgesprochen, der sich eben nicht in den Feierabend und ins Wochenende verabschiedete, sondern stattdessen erfolgreich gegen den Wasserschaden in meinem Bad kämpfte. Auf ihn trinke ich erst einmal einen Prosecco! 😉


Die Weinrallye – ein Abgesang

So also verlief der 30. Juni 2017. Irgendwie anders als erwartet und geplant; mit Höhen und Tiefen, mit Lachen und Ärgern und auch mit Weinen (man entschuldige das kleine Wortspiel 😉).
So ein klein wenig war der Wurm drin und er sollte auch drinbleiben, denn anstatt mich (wie vorgenommen, versprochen und geplant) um die Zusammenfassung der Weinrallye zu kümmern und diese innerhalb von 7-10 Tagen zu veröffentlichen, begab ich mich erst einmal ins Krankenhaus. Nicht ganz freiwillig und auch nicht mit Freude. Damit war die Deadline für die Zusammenfassung dann auch schon gerissen und es machte sich ein ausgesprochen schlechtes Gewissen breit, was aber nichts half, denn irgendwie waren weder Kopf noch Körper bereit einen halbwegs sinnvollen und schönen Text zu produzieren.

Zum Glück hält aber nichts ewig und endlich war ich wieder soweit auf dem Damm, dass ich mich an die Zusammenfassung machen wollte und da kam etwas, das noch unerwarteter war als fließendes Wasser an und in der Wand und ein ungeplanter Krankenhausaufenthalt …
Alles begann mit einer Nachfrage von Torsten Hammer in der Facebookgruppe „Weinrallye“:
Am 20. Juli fragte Torsten Hammer „kreative Sommerpause?“ und wies mich dezent darauf hin, dass ich die Zusammenfassung ja immer noch nicht geschrieben hatte. *ascheundkleinesteineaufmeinhaupt* *hüstel*




Also habe ich mich erst einmal entschuldigt. Soweit, so gut oder auch nicht. Ich machte mich an die Zusammenfassung. Bis dann am 22. Juli alles anders kam …

Peter Züllig, der Mann, der seit Jahren alles zusammenhält, einspringt, wenn mal wieder etwas schiefläuft und der uns mit unglaublich vielen wunderschönen Geschichten versorgt hat, meldete sich zu Wort und schrieb (ich bin mal so frei und zitiere hier, wenn das nicht in Ordnung ist bitte melden 😉):
„Ich gebe zu: ich bin was müde geworden. Nachlässig. Vielleicht auch enttäuscht. Oder haben wir einfach schon alles gesagt? Oder geschrieben?
Ich bin auf meiner Website (wo alle Rallye ab ca. #40 schön säuberlich registriert sind) nachgeblättert: In dieser Zeit habe ich rund 70 "Geschichten" verfasst: gute und weniger gute, lange und (leider) fast nie kurze, immer mit viel Bildern und Begeisterung. Immer wieder musste ich aufrufen, mahnen, zurechtbiegen und vor allem Werbung löschen (nie ohne die Werbenden persönlich angeschrieben zu haben).
Nein, ich glaube, es ist nicht die Hitze hier im Süden, die mir zu schaffen macht. Es ist so etwas wie Resignation.
Von rund 460 "Mitgliedern" unserer losen Gemeinschaft sind in der letzten Zeit nur wenige Beiträge entstanden, vier, fünf, sechs bei einer Rallye. Mehr leider nicht mehr. Und der fünfte, gefühlt war es der hundertste Aufruf, doch eine Rallye zu übernehmen, drang nur in wenige, immer etwa die gleichen Ohren. Was tun?
Die nächste Rallye wäre in einer Woche, am Freitag 28. Juli 2017!!!
Für einmal auslassen? Es ist ja Urlaubs- oder Ferien-Zeit. Im August ist dann Heimkehrzeit und im September, fällt der Alltag wieder so richtig an, und im Oktober ist Weinlese, und im November Vorbereitung des wichtigen Weihnachtsgeschäfts, und....
Natürlich bin ich bereit, die nächste Rallye kurzfristig zu übernehmen, auch wenn es Grill ist (und ich hier keinen Grill habe). Lieber mir "Weinexoten", ein Thema, das mich seit einiger Zeit umtreibt.
Also:
Bitte um eine Reaktion.
Bitte um Meldung, eine der nächsten Rallyes zu übernehmen.
Bitte mitmachen, sonst stockt der Karren endgültig.
Ich weiss: Alles hat seine Zeit. Die Weinrallye auch - obwohl sich wöchentlich immer neue Mitglieder melden. Dann aber - ausser in Eigenwerbung - stumm bleiben.
Herzlich
Peter“





Ich gestehe, ich schaute etwas ungläubig und fing an nachzudenken.

Peter hatte Recht: die richtig Aktiven unter uns waren ein recht kleiner Haufen, viele Urgesteine (nicht despektierlich, sondern anerkennend gemeint 😉) waren inzwischen bloglos und viele Neuzugänge sahen offenbar die Weinrallye-Gruppe wie jede andere Gruppe bei FB, die sich mit Wein beschäftigt: immer schön Werbung und nichtssagende Bildchen mit dem immer gleichen Sprüchen wie „lecker Wein“ reinposten.

Ehrlich: das nervt schon in den andern Weingruppen mehr als genug (weshalb ich mich da auch kaum mehr blicken lasse). Wir waren doch immer anders. Bei uns gab es halt Geschichten, nicht stumpfe Werbung. Hier hat es immer herrlich gemenschelt, man fühlte sich immer aufgehoben - wie unter Freunden, auch wenn ich die Meisten leider bisher nie im Real Life kennengelernt habe.


Recht schnell meldete sich auf Peters Post Cordula Eich zu Wort. Auch sie einst eine regelmäßige Rallye-Teilnehmerin. Heute hat sie kein Blog mehr, schreibt auch nicht mehr für die Rallye. Es fehlt ihr nicht, schreibt sie und schlägt vor die Gruppe zu schließen. Ganz ähnliche Kommentare kommen auch von Iris Rutz-Rudel, Juliane Gassert, Torsten Hammer und Thomas Günther, dem „zweiten Mann“ nach Thomas Lippert, der einst die erste Rallye ins Leben rief.
Kurz habe ich mich nach diesen Kommentaren gefragt, ob ich dann überhaupt noch eine Zusammenfassung schreiben soll …




Die Weinrallye – der letzte Akt

Ich habe mich – wie man sieht – für ein „JA“ entschieden und habe noch eine Zusammenfassung geschrieben und einen „Abgesang“, denn ich finde, dass gerade der 111. und leider letzten Ausgabe dieser Institution in Sachen Wein eben dies gebührt.

Gerne werde ich auch eine „Ewigkeitsliste“ der 111 Weinrallyes anlegen und die Blogs verlinken, die es noch gibt, die man noch nachlesen kann, damit die Weinrallye nicht einfach zu Staub zerfällt.
Dieser Beitrag hier wird also das Ende einer mehr als 10-jährigen Geschichte sein, der letzte Abgesang …


Nie hätte ich mir im Vorfeld träumen lassen, dass meine erste Weinrallye, die ich ausrichte auch gleichzeitig die allerletzte sein wird, die es jemals geben wird. Ein komisches Gefühl …


Ich habe schöne Stunden mit der Weinrallye erlebt, habe sie immer sehr gemocht, auch und vielleicht vor allem bei Themen, die mir nicht wirklich viel sagten. Viel gelernt habe ich, viele wundervolle Geschichten gelesen, manches Mal gelacht, geschmunzelt, manchmal auch geweint.

Mein Dank gilt allen, die über so viele Jahre die Weinrallye getragen und sie mit Geschichten und Leben erfüllt haben.

Möge Neues entstehen, möge Neues wachsen und vor allem eines: mögen neue Geschichten entstehen und die Welt des Weins nicht nur aus Werbung bestehen!

Darauf trinke ich nun den Wein, der in meiner ganz persönlich wichtigsten Weinrallye-Geschichte eine kleine Nebenrolle gespielt aber auch das Bindeglied gegeben hat – einen Muskateller aus Württemberg und denke über eine wie auch immer aussehende Fortsetzung der Weinrallye nach und sage

                              DANKE!


 



Kommentare

  1. Liebe Anja, mir blutet das Herz bei Deinen Zeilen. Vielen Dank für diesen schönen Abgesang. Ich habe die Rallye sehr geliebt, auch wenn sie mich oft heraus gefordert hat. Vielleicht treffen wir uns einmal im realen Leben. Juliane

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