Chardonnay – Chablis



Chardonnay – ein komischer Geselle


Logo Weinrallye #110
Logo der Weinrallye #110 zum Chardonnay
Da gab es eine Weinrallye zum Chardonnay, pünktlich zum Welttag des Chardonnay 2017 und es geschah etwas, das nur ausgesprochen selten in einer Weinrallye geschieht: Sehr viele der teilnehmenden Blogger zitierten aus Weinbüchern. Sie suchten nach dem Charakter des Chardonnays und von Welttraube über Flittchen, Platzhirsch, Chimäre, Lieblingskind bis hin zu Präsident und Chamäleon waren die unglaublichsten Beschreibungen für diesen Top10 Weißwein dabei.

Nachdem er in den 1980er Jahren noch fast unwichtig war, trat er seinen Siegeszug an. Ein Siegeszug, der aber nicht nur positive Seiten hatte, sondern auch zahlreiche negative, die dazu führten, dass eben dieser Wein in einer Form polarisierte, wie es wohl keinem zweiten je beschieden war. Von großer und kompromissloser Liebe bis hin zum berühmten Kürzel „ABC“ für „Anything but Chardonnay“ war alles dabei.

Rebstöcke Chardonnay
Rebstöcke Chardonnay - Foto: A. Kircher-Kannemann

Chardonnay – der Weltwein


Chardonnay rangiert mit einer Anbaufläche von etwa 175.000 Hektar weltweit auf Platz 7 der beliebtesten Rebsorten. Auf Deutschland entfallen dabei etwa 1.200 Hektar. Angebaut wird diese Rebsorte hierzulande vor allem in den klassischen Burgunderregionen, wie dem Kaiserstuhl in Baden oder der südlichen Weinstraße in der Pfalz. Aber auch in Rheinhessen wird der Chardonnay inzwischen auf einer großen Fläche angebaut. Im Grunde gibt es in Deutschland heute kaum mehr eine Region wo er nicht zu finden wäre.
Dabei ist der Chardonnay in Deutschland erst seit 1994 zugelassen. Die Heimat dieser, aus der großen Burgunderfamilie stammenden Rebsorte, ist Frankreich, genauer gesagt Burgund.
Der Name des Chardonnays leitet sich wahrscheinlich von einem kleinen Ort im Département Saône-et-Loire in Burgunder ab, der ebenfalls Chardonnay heißt, ab. Dabei leitet sich das Wort Chardonnay selber vom französischen Wort „Chardon“ ab, was so viel bedeutet wie „Distel“.
Aber wie kam es dazu, dass ausgerechnet diese Weißweinrebsorte einen solchen Siegeszug antrat und eine solche Bedeutung erlangte? Die weltweite Mode des Chardonnay erklärt sich wohl aus zwei Gründen: zum einen ist die Rebsorte als solche klimatisch relativ anpassungsfähig und kann daher in vielen Regionen angebaut werden und zum anderen passt der aus ihr gewonnene fruchtige Wein zum heutigen Geschmack der Weintrinker.

Rebstöcke Chardonnay
Chardonnay Rebstöcke - Foto: A. Kircher-Kannemann

Die Geschichte des Chardonnay


Aus Burgund stammend ist der Chardonnay, wie neueste genetische Untersuchungen geklärt haben, eine natürliche Kreuzung aus Pinot und Gouais Blanc. Der Pinot ist eine im Burgund heimische und dort entstandene Rebsorte, während der Gouais Blanc wahrscheinlich in römischer Zeit in diese Region gebracht wurde.
Noch heute ist der Chardonnay in Burgund eine der beherrschenden Rebsorten. Berühmt ist vor allem ein ganz spezieller: der Chablis. Diese Bezeichnung leitet sich von einer im Département Yonne (Burgund) befindlichen Gemeinde namens Chablis ab, die einer Weinbauregion ihren Namen gab.
Zur Weinbauregion Chablis zählen insgesamt 19 Weinbaugemeinden in denen nahezu ausschließlich Chardonnay angebaut wird. Nur der hier erzeugte Chardonnay darf heute noch als Chablis bezeichnet werden.[1]
Noch in den 1970er und 1980er Jahren aber wurde der Name Chablis vor allem von amerikanischen und australischen Winzern schlicht als Synonym für trockene Weißweine verwendet. Dies führte zum einen zur Verwirrung bezüglich der Bedeutung des Namens „Chablis“ und zum anderen dazu, dass häufig sehr mindere Qualitäten als Chablis verkauft wurden.
Das wohl auffälligste Merkmal des wahren Chablis ist sein verglichen mit anderen Weinen hoher Säure-, vor allem auch Apfelsäuregehalt.

Chardonnay Trauben
Trauben Chardonnay - Foto: A. Kircher-Kannemann

Eigenschaften und Geschmack des Chardonnays


Der überwiegend trocken ausgebaute Chardonnay ähnelt in seinem äußeren Erscheinungsbild sehr stark dem Weißen Burgunder, was nicht weiter verwundert, wenn man bedenkt, dass er ja ebenfalls eigentlich eine Burgundersorte ist und zumindest von einem Burgunder abstammt.
Als mittelfrüh austreibende Rebsorte ist der Chardonnay relativ empfindlich gegenüber Spätfrösten, dafür aber gegenüber Pilz- und Schimmelbefall eher nicht besonders anfällig.
Diese körperreiche Rebsorte liebt vor allem kalkhaltige Böden und je kalkhaltiger das Terroir desto kräftiger der Chardonnay.
Problematisch stellt sich diese Weißweinsorte aber  bei der Lese dar, denn wenn sie zu früh geerntet wird und nicht ganz reif ist, dann erhält der daraus hergestellte Wein meist eine grasige Note und erweckt am Gaumen einen wässrigen Eindruck.
Der Alkoholgehalt der meisten Chardonnays liegt deutlich über 12 Volumenprozent. Vielleicht ist dies mit ein Grund für die ungeheure Bandbreite dieser Rebsorte. Nicht nur, dass sie sehr gut auch im Barrique ausgebaut werden kann, sondern sie ist auch in den meisten Champagners enthalten und ihr Trester wird sehr häufig zu Grappa destilliert.
Die im Chardonnay enthaltenen Aromen reichen von Apfel und Stachelbeere über Melone und Banane bis hin zu exotischen Früchten. Unterstrichen werden sie durch eine leicht nussig-rauchige Note. Dabei entscheidet vor allem das Terroir, das sich im Chardonnay fast wie in keinem anderen Wein widerspiegelt, über das Aromenspektrum und den Körperreichtum.

Chardonnay Dorst
Chardonnay vom Weingut Dorst - Foto: A. Kircher-Kannemann

Chardonnay zum Essen


Der Chardonnay ist ein echter Allrounder unter den Weinen. Je nach Art des Ausbaus findet sich zu beinahe jedem Anlass der Passende. Seine jungen und leichten Varianten harmonieren gut mit Fisch und Meeresfrüchten. Auch zu Spargel macht ein solcher Chardonnay eine gute Figur. Ein etwas schwerer Chardonnay hingegen lässt sich gut mit gebratenem Fleisch und kräftigem Käse kombinieren.

Chardonnay Kiefer-Seufert
Chardonnay Weingut Kiefer-Seufert - Foto: A. Kircher-Kannemann

Chardonnay Empfehlung:


Wie schon in meinem Weinrallye-Artikel geschrieben, gibt es aktuell vor allem zwei Weingüter deren Chardonnays ich besonders liebe:

·         Chardonnay vom Kalkmergel vom Weingut Dorst
·         Chardonnay einmal in einfacher Form und dann noch im Barriqueausbau vom Weingut Kiefer-Seufert.
Chardonnay Dorst und Kiefer-Seufert
meine aktuellen Lieblingschardonnays treulich vereint - Foto: A. Kircher-Kannemann


[1]Die Flaschen sind jeweils mit AOC (Appelation d'Origine Contrôlée) gekennzeichnet. Es gibt insgesamt vier Qualitätsstufen angefangen von Petit Chablis, über AOC Chablis und Premiers Crus bis hin zu Grands Crus. Die Qualitätsstufen sind dabei Lagenabhängig.

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