Syrah, Shiraz



2014er Shiraz Weingut Hill - Foto: A. Kircher-Kannemann


Ursprünglich stammt diese in Deutschland noch nicht so sehr bekannte Rebsorte mit ihren beiden exotisch klingenden Namen wohl aus dem französischen Rhônetal. Aufgrund ihrer Namen sagte man ihr allerdings ursprünglich eine ganz andere Herkunft nach und vermutete sie stamme aus Persien oder Sizilien. Diese Ansicht aber scheint überholt.
Inzwischen geht man davon aus, dass es sich beim Syrah, so der französische Name dieser roten Rebsorte, um eine natürliche Kreuzung aus den französischen Rebsorten Dureza und Mondeuse Blanche handelt.

Vor allem in Frankreich, Südafrika, Australien, den USA und Südamerika wird dieser Wein angebaut und trägt hier den Namen Shiraz. Diesen zweiten Namen haben übrigens die Australier zu verantworten, die diese Rebsorte, die so ziemlich die dunkelsten und vollmundigsten Rotweine hervorbringt, einst so benannten.

Die Rebsorte hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich, denn ihr problematischer Charakter in Bezug auf die Reife ließ ihre Rebfläche in Frankreich zunächst schnell stark sinken. Der Rotweinboom der 1980er Jahre und die Tatsache, dass wirklich reife Syrahs einmalig harmonisch und fruchtige Weine darstellen, die von der Fachwelt hoch geschätzt werden, ließ die bestockte Rebfläche dann jedoch wieder anwachsen.

Die Maßstäbe für qualitativ hochwertige und harmonische Syrah-Weine hat das nördliche Rhônetal in Frankreich gesetzt. Ja, wie so oft waren es die Franzosen. Die Australier hingegen begannen vor etwa 100 Jahren etwas ganz Anderes aus diesem Rotwein zu machen. Sie benannten ihn nicht nur um, sie änderten auch seinen Charakter zur Gänze. Eine schöne und plastische Beschreibung der beiden verschiedenen Syrah-Shiraz-Typen möchte ich Ihnen nicht vorenthalten. Sie stammt von Gérard Basset, einem international ausgesprochen angesehenen Sommelier. Er schreibt über diese beiden so grundverschiedenen Charaktere:


„Australischer Shiraz ist ein fruchtiger, freundlicher, schwanzwedelnder Welpe von einem Wein; dieselbe Traube in Frankreich produziert einen eher zurückhaltenden, fast lammfrommen Tropfen.“


Der Syrah – Shiraz kann also beides: Er kann Lamm sein und Wolf, kann sich quasi selber fressen. Das klingt ein wenig blumig, trifft es aber ziemlich gut und wenn Sie die Gelegenheit haben, dann sollten Sie unbedingt beide Typen dieser Rebsorte einmal gegeneinander probieren. Es ist wirklich unglaublich wie unterschiedlich ein und dieselbe Traube sein kann. 

Ach ja, und wenn Sie gerade dabei sind, dann nehmen Sie noch einen dritten Syrah oder Shiraz dazu bei Ihrer Verkostung: Einen deutschen!
Ja, die gibt es inzwischen auch. Einige Winzer haben diese Rebsorte im Versuchsanbau und dem Klimawandel sei Dank, wird sie in Deutschland inzwischen sogar reif und kann bereits einige erstaunliche Ergebnisse vermelden.

 



Eigenschaften und Geschmack

Beim Syrah handelt es sich um eine spät austreibende und daher gegen Spätfröste recht unempfindliche Rebsorte (das ist in Deutschland, wo wir in den letzten Jahren viel mit solchen Spätfrösten zu kämpfen hatten durchaus von Vorteil). 

Kalte und nasse Witterung verträgt der Syrah allerdings fast nicht (was ihn für Deutschland wieder zu einer problematischen Rebsorte macht). Bei solchen Klimabedingungen gelangt er weder zu voller Reife noch zu hohen Erträgen. Zu viel Sonne mag der Syrah – Shiraz aber auch nicht, dann wird er schnell überreif und verliert sowohl Säure als auch Fruchtaroma, was ihn dann zu einem ausgesprochen langweiligen Vertreter der Spülwasserfraktion macht (Ja, ich weiß, das ist jetzt böse formuliert, muss aber manchmal sein 😉.

Allerdings ist die Sorte wenig anfällig gegen Pilzerkrankungen, was ja wiederum ein Vorteil ist und ihn somit beinahe auf eine Stufe mit den vielberufenen PIWIs hebt, jenen pilzresistenten Neuzüchtungen, die vor allem bei Biowinzern so beliebt sind.

Der extrem dunkelrote Syrah besitzt (so er gut gemacht und reif ist) ein kräftiges Aroma nach Brombeeren, Blaubeeren, Johannisbeeren sowie Veilchen und Pfeffer. Auch Aromen wie Rauchfleisch und Schwarztrüffel können sich zeigen, ebenso wie Kräuternoten und Pfeffer.
Er hat einen hohen Tanningehalt und bedarf daher einer langen Reifezeit, um eine wirklich Harmonie zu entwickeln.

In vielen Fällen wird der Syrah nicht reinsortig ausgebaut sondern vor allem zusammen mit Cabernet Sauvignon oder Viognier zur Herstellung von Cuvées genutzt.

Ein wirklich reifer und fruchtiger Syrah eignet sich gut zu Wildgerichten und zu gegrilltem Fleisch.

Weinempfehlungen Syrah - Shiraz

Mit Empfehlungen für den Syrah - Shiraz tue ich mich offen gestanden etwas schwer, da ich kaum je reinsortige Weine getrunken habe und Ihnen hier nicht unbedingt eine Cuvée empfehlen möchte.

Allerdings kann ich Ihnen einen Winzer nennen, der inzwischen schon seit einigen Jahren in Deutschland das Experiment Syrah - Shiraz wagt: es ist Wolfgang Hill, der seinen Shiraz (er bevorzugt diesen Namen) im Holzfass reifen lässt, um ihm eine besondere Fülle und Aromatik zu verleihen. Der aktuelle auf Flaschen gezogene Jahrgang hat nun inzwischen beinahe drei Jahre auf dem Buckel, was ihm gut steht, denn (s.o.) der Shiraz braucht eine gewisse Reifezeit, um sich wirklich voll zu entfalten.

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