Riesling


Riesling - Foto: A. Kircher-Kannemann

Denk ich an Deutschland …
Nein, keine Sorge, ich fange hier nicht an Heinrich Heine zu zitieren – obwohl – ich könnte mir vorstellen, dass er diese Rebsorte von der hier die Rede sein wird durchaus mochte. Aber abgesehen davon: Ich werde sicher nicht die einzige Person auf diesem Planeten sein, die bei deutschen Rebsorten zuerst und vor allen Dingen an den Riesling denkt, er ist schlechterdings bis heute die typischste und am häufigsten angebaute Rebsorte in Deutschland.
Man kann auch gar nicht sagen wo er vor allem hervorsticht, denn eigentlich beherrscht er (bis auf die Ahr und vielleicht noch Württemberg) eigentlich – zumindest im Weißweinbereich alle deutschen Anbaugebiete.

Vor allem aber die Anbaugebiete Mosel, Mittelrhein, Hessische Bergstraße und vor allem der Rheingau sind für ihre qualitativ hochwertigen Rieslinge weltweit bekannt. Übrigens: Nach allem, was man weiß kommt der Riesling auch genau hierher, entstand hier durch eine oder mehrere Kreuzungen. Wohl nicht zuletzt deshalb fühlt er sich auch bis heute ausgerechnet hier so wohl.
Der Riesling gilt als eine der edelsten unter den Weißweintrauben, stellt höchste Ansprüche an den Standort und kann sich durchaus als (vor allem saure) Zicke erweisen, wenn ihr mal irgendetwas nicht passt. Es so ein Vabanquespiel mit ihr, denn ihre Säure kann schon durchaus unangenehm werden. Aber vielleicht ist es auch gerade das was sie so liebenswert macht – wer weiß das schon.

Riesling - Foto: A. Kircher-Kannemann

Riesling – Geschichte und Abstammung

„Wenn im Pantheon der Rebsorten der Cabernet Sauvignon ein König ist, dann ist die Riesling-Traube ohne Frage die Königin“ (Gérard Basset OBE)
Auch der Riesling zählt, ähnlich wie der Pinot Noir oder Spätburgunder, zu den Cépages nobles, zu den unbestritten besten Rebsorten der Welt.

Dipl. Ing. Dr. Ferdinand Regner, Leiter der Abteilung Rebenzüchtung der Höheren Bundeslehranstalt und des Bundesamtes für Wein- und Obstbau in Klosterneuburg in Österreich, geht davon aus, dass der Riesling eine durch mehrere Kreuzungen entstandene Rebsorte sei.
Dabei kam es wohl zunächst zu einer Kreuzung zwischen einer autochthonen, d.h. alteingesessenen und einheimischen Rebsorte vom Rhein mit dem Traminer. Die daraus entstandene Sorte kreuzte sich mit Heunisch, der wahrscheinlich für den Säuregehalt des Rieslings verantwortlich ist.[1]

Die Herkunft des Namens „Riesling“ ist bis heute nicht wirklich geklärt: Entweder geht er auf „Rußling“ zurück, was so viel bedeutet wie „dunkles Holz“ oder auf „Rißling“, was auf den hohen Säureanteil des Weines hindeuten würde. Beides hätte seine Bewandtnis und seine Berechtigung.
Im Gegensatz zu Herkunft und Namen ist die Geschichte des Rieslings deutlich besser geklärt: Die ersten urkundlichen Belege über diese Rebsorte, die für Deutschland so prägend geworden ist, stammen aus der Mitte des 15. Jahrhunderts.

Bereits im Mittelalter begann die Verbreitung des Rieslings vom Rhein ausgehend in alle damaligen deutschen Weinbauregionen. Aber damals war beileibe noch nicht absehbar, dass ausgerechnet die Mosel das wichtigste und weltweit größte zusammenhängende Rieslinganbaugebiet werden sollte. Wie dies geschah fragen Sie sich vielleicht? Nun, wie fast immer in der deutschen Geschichte war es die Kirche, die daran so ihre „Schuld“ trägt. Diesmal war es, um genau zu sein das Kurfürstentum Trier und um noch genauer zu sein der Erzbischof Clemens Wenzeslaus von Sachsen (1739-1812), Kurfürst von Trier. Er verfügte im Jahr 1787, dass in seinem Territorium nurmehr Riesling anzubauen sei.

Da hatten wir dann den Salat oder besser gesagt den Riesling. Was irgendwie schade ist, denn die Mosel kann weitaus mehr als nur Riesling, das aber darf sie erst seit einigen Jahren wieder zeigen. Vor allem darf sie wieder zeigen was für tolle Rotweine sie kann, aber das steht auf einem anderen Blatt bzw. in einem anderen Artikel auf dieser Webseite.

 
Riesling - Foto: A. Kircher-Kannemann



Riesling – Beschreibung

Der Riesling eignet sich besonders gut zum Anbau in kühleren Regionen, wahrscheinlich wurde er gerade deswegen zur Hauptrebsorte in Deutschland. Allerdings ist dies inzwischen auch eines seiner Probleme, denn die fortschreitende Klimaerwärmung macht es dem Riesling inzwischen auch in einigen deutschen Anbaugebieten durchaus schwer.

Sie erinnern sich vielleicht, dass ich den guten alten Riesling vorhin als Zicke tituliert habe, das hat auch so seine Gründe, denn obwohl er eigentlich einen kalten Fuß mag ist er dennoch eine spätreifende Rebsorte und wächst besonders gut an Steillagen mit steinigen Untergründen, die die Wärme des Tages gut speichern können. Solche Bedingungen finden sich vor allem an der Mosel und am Rhein, aber auch an Ahr und Nahe. Sie merken: Der Riesling ist ein wenig widersprüchlich in seiner Art, will das eine und kann das andere nicht lassen, auch wenn es nicht zusammenpasst.

Der Säureanteil der Rieslingweine ist relativ hoch, was ihn für viele Menschen zu einem schwierigen Wein macht, zumal wenn er nicht voll gereift ist, hat aber auch den Vorteil, dass er relativ gut lagerfähig ist und sich vor einem Alter von 5 – 10 Jahre (wenn denn die Grundqualität stimmt) nicht bange macht.

Der Riesling hat mittelgroße rundliche fünflappige Blätter. Die Traube ist zylinderförmig, klein und dichtbeerig. Die dickschaligen Beeren sind ebenfalls klein und haben eine gelb-grünliche Färbung. Die Rebsorte treibt spät aus, so dass sie relativ wenig empfindlich gegen die Spätfröste vor allem der Eisheiligen ist. (Naja, auch als Zicke muss man ja so seine vorteilhafte Seiten haben 😉 )
Inzwischen gehen viele Neuzüchtungen auf den Riesling zurück wie etwa Ehrenfelser, Johanniter und Ehrenbreitsteiner, Rebsorten, die allerdings nur in kleinem (oder sollte ich sagen kleinstem) Umfang angebaut werden.

Unter den „Kindern“ des Rieslings finden sich aber auch so bekannte Namen wie Kerner und Scheurebe. Die wohl bekannteste auf den Riesling zurückgehende Rebsorte jedoch dürfte der Müller-Thurgau sein, der in Deutschland inzwischen den zweiten Platz in der Anbaustatistik einnimmt.

 
Weinberg, Rheingau - Foto: A. Kircher-Kannemann

Riesling – Geschmack und Eigenschaften

Der Riesling besticht – so er gut gemacht ist - durch seine Fruchtaromen, die wie bei kaum einem anderen Wein vom Terroir – also vom Boden auf dem der Rebstock wächst – abhängig sind.
Vor allem bei jungen Rieslingweinen treten Aromen von Apfel, Pfirsich, Aprikose, Limone und Grapefruit in den Vordergrund. Auch eine leichte Muskatnote ist in manchen Fällen zu finden. Diese Weine sind spritzig und eher leicht. Die möglichen Zitrusaromen entstehen bei Riesling vermehrt, wenn er auf schweren Löss-Lehmböden wächst. Aprikosenaromen hingegen sind vor allem bei Rieslingen zu beobachten, die an Mosel oder Mittelrhein auf Verwitterungsböden gewachsen sind.
Gerade das Apfelaroma aber verliert sich, wenn der Riesling älter wird, daher sind ältere Rieslingweine nicht nur kräftiger sondern auch geprägt durch Mineral- und Bodentöne.

Besonders gut eignet sich der Riesling auch zum Ausbau als edelsüßer Wein, also als Eiswein oder Beeren- bzw. Trockenbeerenauslese. Durch die in diesen Trauben vorhandene Edelfäule erhält er ein intensives Honigaroma, dass sehr gut mit der vorhandenen Säure harmoniert.
Einen ganz besonderen Ruf hat der Riesling der Mosel. Er zeichnet sich aufgrund der dort vorhandenen Schieferböden durch eine besonders mineralische Note aus. Rieslinge hingegen, die auf schwereren Böden wie etwa in der Pfalz angebaut werden sind meist voluminöser und säureärmer als diejenigen, die auf steinigem Terrain angebaut wurden.

Ideal zu Riesling passen leichte Schnittkäse, wie etwa Edamer oder auch ein junger Abondance oder Comté. Auch ein nicht allzu gereifter Camembert verträgt sich gut mit der feinsinnigen Säure des Rieslings.

Im Bereich der warmen Speisen wählen Sie am besten dann einen Riesling, wenn helle Saucen und helle Fleischsorten auf den Teller kommen. Auch zu Seefisch, Muscheln und Sauerkraut kann man den Riesling sehr gut kombinieren.

Der 2010 als weltbester Sommelier ausgezeichnete Gérard Basset schrieb über den Riesling: „Keine Traube kann sich was das Terroir, den brillanten Schliff und die Klarheit der Weine angeht, mit dem Riesling messen.“

 
Stapellauf - Riesling Weingut Heinz Schneider - Foto: A. Kircher-Kannemann

Riesling – Hochgewächs - Definition

Die Bezeichnung „Riesling Hochgewächs“ stammt aus dem deutschen Weingesetz. Sie beschreibt seit dem Jahr 1987 einen „Typenwein besonderer Herkunft“.
Dabei darf der Begriff Hochgewächs nur angewendet werden, wenn der Riesling mit Q.b.A. bezeichnet wird, zudem muss der Alkoholgehalt 1,5 Vol.% über dem Richtwert für den Mindestalkoholgehalt der Anbauregion liegen. Außerdem muss der Wein bei der amtlichen Qualitätsprüfung mindestens die Qualitätszahl 3 erreichen.
Damit liegen die als Hochgewächs bezeichneten Weine knapp unterhalb von Kabinettweinen.
Die Bezeichnung „Hochgewächs“ gilt nur für den Riesling und darf auf keine anderen Rebsorten angewandt werden .

 
Riesling Royal Sekt von Judith Dorst - Foto: A. Kircher-Kannemann

Riesling -Empfehlung

Tja, der Riesling macht es mir wirklich schwer Empfehlungen auszusprechen. Das liegt weniger daran, dass es zu viele oder zu wenige wirklich gute Rieslinge gibt, als mehr daran, dass der Riesling nicht wirklich meine Rebsorte ist. 

Die hochgelobten Rieslinge des Rheingaus sind mir persönlich meist viel zu säurebetont. Eine Ausnahme finde ich hier nur regelmäßig beim Weingut Nikolai. Vielleicht liegt es ja daran, dass man sich hier vom gegenüberliegenden Rheinufer hat beeinflussen lassen.😉

 An der Mosel habe ich inzwischen auch so mein Lieblingsweingut in Sachen Riesling: Bei Heinz Schneider, der inzwischen seinen Betrieb so langsam an die jüngere Generation abtritt, bin ich noch immer fündig geworden; egal, ob es nun ein leichter Sommerriesling oder aber ein gereifterer Vertreter sein sollte.

Und fragt man mich nach meinen momentanen Lieblingsrielsingen, dann kommen sie aus Rheinhessen vom Weingut Dorst. Hier finden sich herrlich leichte und dennoch facettenreiche Gutsrieslinge aus der Literflasche ebenso wie mineralische und intensive Lagenrieslinge vom Kalkmergel. Also hier ist wirklich für jeden Geschmack etwas dabei.
Hier gibt's übrigens auch ausgesprochen schöne Sekte - Rieslingsekte versteht sich - und zwar in royaler Form.


[1]Veröffentlichung der E-Mail Regners mit Informationen zur Abstammung des Rieslings: http://www.graf-von-katzenelnbogen.com/klosterneuburg.html

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