Bacchus - der Freak unter den Weißweinen?



Bacchus Trauben, Foto: Werner Röder





Man liebt ihn oder man hasst ihn, irgendetwas dazwischen ist einfach schwierig, denn sein besonders intensives Bukett macht den Bacchus einfach zu einem Nischenwein für den etwas andersartigen Weintrinker. Wahrscheinlich ist das auch einer der Gründe, warum die Anbaufläche des Bacchus seit Jahren stark rückläufig ist und er in manchen Anbaugebieten eigentlich gar nicht vorkommt.
Ein zweiter Grund für sein Nischendasein ist dann wohl die Tatsache, dass die meisten Winzer, die dem Bacchus die Treue halten, ihn als lieblichen, um nicht zu sagen pappsüßen, Wein ausbauen und der Trend zu lieblichen Weinen ebenfalls seit Jahren rückläufig ist.


Er hat es also nicht leicht unser Bacchus, dabei könnte alles so schön sein, denn wer ihn schon einmal als trocken ausgebauten Wein probiert hat, der weiß, dass der Bacchus die reinste Geschmacksexplosion darstellen kann. Eine Fruchtbombe im Glas, die einfach einzigartig ist.

Bacchus Historie
Bacchus Reben, Foto: Werner Röder


Gezüchtet wurde die weiße Rebsorte Bacchus im Jahr 1933 von Peter Morio (1887-1960) und Bernhard Husfeld (1900-1970) am Institut für Rebenzüchtung Geilweilerhof. Entstanden ist der Bacchus aus einer Kreuzung von (Silvaner x Riesling) x Müller-Thurgau. Das allein klingt schon spannend und verspricht eine intensive Aromatik.
Die offizielle Sortenzulassung erhielt der Bacchus allerdings erst im Jahre 1972. Ihren Namen verdankt diese Rebsorte, das war nicht schwer zu erraten, dem römischen Gott des Weines: Bacchus eben.
 
Der Triumph des Bacchus by Michaelina Wautier [Public domain], via Wikimedia Commons

Ende der 1990er Jahre waren in Deutschland über 3000 ha Rebfläche mit Bacchus bestockt, im Jahr 2007 waren es laut Statistischem Bundesamt nur noch 2061 ha und 2011 sogar schon nur noch 1893 ha. Damit belegt der Bacchus weniger als 2 Prozent der Gesamtrebfläche in Deutschland. Ein Nischenwein, wenn man die Zahlen so betrachtet.

Die größte Anbaufläche für Bacchus findet sich mit etwa 730 ha in Franken. Hier ist irgendwie seine Heimat, hier liebt man ihn und hier findet man den Bacchus in allen Spielarten, die man sich vorstellen kann, als einfachen Literwein ebenso wie als Spät- oder Auslese, in trocken und in lieblich. Sie mögen ihn in Franken einfach ihren Bacchus.
Eine ähnlich große Anbaufläche findet sich nur noch in Rheinhessen und auch hier geht man seit Jahren immer häufiger dazu über aus dem Bacchus auch mal etwas Anderes zu machen als den altbekannten süßen Wein für Omi (nicht böse gemeint).

Der Geschmack des Bacchus
Bacchus Trauben, Foto: Werner Röder


Der Bacchus reift früh und ist immer eine der ersten Rebsorten, die gelesen wird, auch daher kann er sehr hohe Reifegrade erzielen und somit auch viel Zucker ansetzen, weshalb er wohl auch so gerne zu lieblichen Weinen verarbeitet wird. Der Säuregehalt des hellgelben Bacchus jedoch, ist eher niedrig, was ihn wiederum für viele Weintrinker interessant macht.

Das Spannendste am Bacchus jedoch ist sein Bukett: es ist – nun ja, sagen wir einmal sehr stark ausgeprägt und speziell. Besonders der leichte Muskatgeschmack und der blumige Duft, der an Parfüm erinnert, fallen sofort auf. Auch Aromen von Orange und Cassis finden sich im Bacchus und lassen ihn leicht und duftig erscheinen.
Besonders Bacchus, der trocken ausgebaut wurde, kann gut zu kräftigen und würzigen Speisen kombiniert werden, etwa zu gebratenem Fleisch. Lieblicher Bacchus hingegen verträgt sich besonders gut mit Süßspeisen.

Für die Bilder bedanke ich mich herzlich bei Werner Röder vom fränkischen Weingut Leo Sauer.

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