Wein und Bibel


Lutherbibel
Ausschnitt aus dem Titelblatt der Lutherbibel von 1534, [Public domain], via Wikimedia Commons


Passend zur Advents- und Vorweihnachtszeit geht es heute um den Wein in der Bibel, denn entgegen vieler Annahmen, das Christentum sei eher eine Abstinenzlerbewegung, kommt Wein in der Bibel ziemlich häufig vor und das nicht nur im Alten Testament, sondern auch im Neuen. Akribische Wesen haben gezählt und kamen auf nicht weniger als 176 Textstellen in der Bibel, in denen es um Wein geht. Eine ganz schöne Zahl. Nimmt man die Textpassagen hinzu, in denen das Wort Wein zwar nicht explizit vorkommt, aber es um das Trinken oder den Genuss von vergorenem Traubensaft geht, dann kommen wir sogar auf über 500 Bibelstellen und auch der vielberufene Weinberg findet sich etwa 100 Mal in der Bibel wieder.

Eins machen diese Zahlen sehr deutlich: In der Zeit, in der die verschiedenen Bücher der Bibel geschrieben wurden, war Wein ein ausgesprochen wichtiges Getränk. Es gehörte zum Alltag und war daraus nicht wegzudenken.
Die erste Textpassage findet sich bereits im 1. Buch Mose, also in der Genesis: Hier wird deutlich, dass Wein in der Tat auch negative Folgen zeitigen kann, denn der gute Noah trinkt ein bisschen viel vom guten Wein und benahm sich prompt daneben, denn er entblößte sich [1. Mo 9,21]. Kein Wunder also, dass auch im Brief des Paulus an die Epheser eher vor dem Genuss von Wein gewarnt wird: „Berauscht euch nicht mit Wein.“ [Epheser 5,18].

Noah
Der betrunkene Noah, Giovanni Bellini (circa 1430–1516) [Public domain], via Wikimedia Commons
Aber es gibt auch die anderen Bibelstellen, man bedenke nur, dass auch Jesus und seine Apostel beim Abendmahl Wein tranken. Und schon im Buch de Prediger steht zu lesen:
„Geh hin, iss dein Brot mit Freude und trink deinen Wein mit frohem Herzen!“ [Prediger 9,7].

Wie ein roter Faden zieht sich also das Thema Wein sowohl durch das Alte als auch durch das Neue Testament und so ist auch das erste Wunder, das Jesus vollbringt ein Wein-Wunder. Sie erinnern sich vielleicht: Die Hochzeit bei der auf einmal kein Wein mehr da war, man die Gäste nicht mehr bewirten konnte? Das geht natürlich gar nicht, nicht mal in den Augen Jesu, also verwandelte er Wasser in Wein und rettete damit die Feier. [Und als es an Wein gebrach, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein. Jesus spricht zu ihr: Was habe ich mit dir zu schaffen, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. Seine Mutter spricht zu den Dienern: Was irgend er euch sagen mag, tut. Es waren aber dort sechs steinerne Wasserkrüge aufgestellt, nach der Reinigungssitte der Juden, wovon jeder zwei oder drei Maß fasste. Jesus spricht zu ihnen: Füllt die Wasserkrüge mit Wasser. Und sie füllten sie bis oben an. Und er spricht zu ihnen: Schöpft nun und bringt es dem Speisemeister. Und sie brachten es. Als aber der Speisemeister das Wasser gekostet hatte, das Wein geworden war, (und er wusste nicht, woher er war, die Diener aber, die das Wasser geschöpft hatten, wussten es) ruft der Speisemeister den Bräutigam und spricht zu ihm: Jeder Mensch setzt zuerst den guten Wein vor, und wenn sie betrunken geworden sind, dann den geringeren; du hast den guten Wein bis jetzt aufbewahrt. Johannes 2.3-10]

Hochzeit von Cana
Hochzeit von Cana, Giotto [Public domain], via Wikimedia Commons
Den Beginn des Weinbaus schreibt die Bibel übrigens Noah zu (sie erinnern sich, der konnte mit dem Getränk noch nicht so recht umgehen und benahm sich daneben). Noah habe als erster Mensch einen Weinberg angelegt, nachdem das Land nach der Sintflut wieder trocken geworden war. [Genesis 9,20]

Bei so viel Beschäftigung mit dem Thema Wein verwundert es dann auch nicht, dass das Klügste, was je über den Genuss von Wein geschrieben wurde, ebenfalls in der Bibel zu finden ist, und zwar im Buch Jesus Sirach 31, 30-38:
Sei kein Held beim Weinsaufen; denn der Wein bringt viele Leute um. Das Feuer prüft den Stahl, wenn er in Wasser getaucht ist; so prüft der Wein die Mutwilligen, wenn sie in Streit geraten. Der Wein erquickt die Menschen, wenn man ihn mäßig trinkt. Und was ist das Leben ohne Wein? Denn er ist geschaffen, dass er die Menschen fröhlich machen soll. Der Wein, zu rechter Zeit und in rechtem Maß getrunken, erfreut Herz und Seele. Aber wenn man zu viel davon trinkt, bringt er Herzeleid, weil man sich gegenseitig reizt und miteinander streitet. Die Trunkenheit macht einen Narren noch toller, bis er strauchelt und kraftlos hinfällt und sich verletzt.“

In diesem Sinne: Genießen Sie die Weihnachtszeit ruhig mit dem ein oder anderen guten Gläschen Wein!

Traube
Foto: Anja Kircher-Kannemann

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