Cochem und die Reichsburg


Reichsburg Cochem
Reichsburg Cochem, Foto: Anja Kircher-Kannemann


Heute ist Cochem Kreisstadt und überdies die größte Stadt des Landkreises Cohem-Zell. Gut 5.000 Menschen leben hier verteilt am linken und rechten Moselufer.
Schon zu Zeiten der Kelten und der Römer war Cochem besiedelt und eine erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 886, genannt wurde der Ort damals „Villa cuchema“ und gehörte zum Reichsgut der deutschen Könige, bis er im Jahr 1294 von König Adolf von Nassau an das Erzbistum Trier verpfändet wurde. In Besitz Kurtriers blieb Cochem bis hinein in das Jahr 1794, als französische Truppen in das Gebiet an der Mosel einrückten. Dem Wiener Kongress war es geschuldet, dass Cochem nach französischer Zeit 1815 dann an Preußen fiel.

Hoch über der Stadt Cochem auf einem weithin sichtbaren Bergkegel steht die Reichsburg Cochem und begrüßt die Besucher der Stadt und die Reisenden auf der Mosel. Im Mittelalter diente diese Höhenburg vornehmlich als Zollburg. 

Gebaut wurde sie, so die wahrscheinlichsten Annahmen, um das Jahr 1100. Eine erste urkundliche Erwähnung der Burg stammt aus dem Jahr 1130. Zu diesem Zeitpunkt wurde bereits ein Schiffszoll am Ort der heutigen Burg erhoben. Über das genaue Aussehen dieser ursprünglichen Cochemer Burg ist nicht viel bekannt und man könnte maximal Vermutungen darüber anstellen, etwa anhand von ähnlichen Burgen jener Zeit.

Nach dem Tode des ersten bekannten Besitzers der Cochemer Burg, Pfalzgraf Wilhelm von Ballenstedt, entstand ein Streit um Burg und Besitzungen. Wie im Mittelalter üblich, gipfelte dieser Streit in einer Belagerung. König Konrad III. war es, der Cochem und seine Burg im Jahr 1151 belagerte und schließlich auch eroberte; und er war es auch, der eben diese Burg zum Verwaltungssitz für das umliegende Reichsgut erhob. Damit gehörte Cochem fortan zu den so genannten Reichsburgen. Ein Titel, den sich das Bauwerk bis heute bewahrt hat.

Siegel Adolfs von Nassau
Thronsiegel Adolfs von Nassau; Otto Posse [Public domain], via Wikimedia Commons
Adolf von Nassau, der 1292 zum deutschen König gekrönt wurde, verpfändete die Burg 1294 an den Trierer Erzbischof Bohemund I. von Warnesberg. Da auch Adolfs Nachfolger, Albrecht I., die Pfandschaft nicht auslösen konnte, ernannte er den Trierer Erzbischof zum Burggrafen von Cochem. Von diesem Zeitpunkt an bis zum Reichsdeputationshauptschluss im Jahr 1803 verblieb die Burg samt Zoll und Gerichtsbarkeit über das umliegende Land offiziell beim erzbischöflichen Stuhl von Kurtrier.
Deutschland nach dem Reichsdeputationshauptschluss#
By Geographische Anstalt von Velhagen & Klasing, Leipzig [Public domain], via Wikimedia Commons

Nachdem die Burg im Jahr 1689 von französischen Truppen im Verlauf des Pfälzischen Erbfolgekrieges zerstört worden war, verfiel sie zusehends bis der Berliner Kaufmann Louis Frédedric Jacques Ravené sie vom preußischen Domänenfiskus, an den die Burg Cochem nach dem Wiener Kongress gefallen war, kaufte und sie in den Jahren 1868 bis 1877 im Stil des Historismus wieder aufbauen ließ.
Auch sein Sohn, Louis Auguste Ravené, widmete sich noch bis 1890 dem Ausbau der Burg und stattete sie mit einer umfangreichen Kunstsammlung aus, die allerdings im Verlauf des Zweiten Weltkrieges fast vollständig zerstört wurde.

1942 war Ravené gezwungen die Burg an das preußische Justizministerium zu verkaufen, das hier eine NS-Schulungsstätte für Juristen einrichten ließ. Im Jahr 1947 kam die Burg in Besitz des Landes Rheinland-Pfalz, das eine Verwaltungsschule in den Gebäuden einrichtete, bis die Stadt Cochem im Jahr 1978 die Burg kaufte und sie seither ein Touristenmagnet ist, der von der Reichsburg GmbH verwaltet wird. 

Reichsburg Cochem
Reichsburg Cochem, Foto: Anja Kircher-Kannemann
Zahlreiche Veranstaltungen locken in jedem Jahr die Besucher aus Nah und Fern und das Burgmuseum ist in jedem Fall einen Besuch wert.
Heute ist die Reichsburg Cochem ein typisches Abbild jener Zeit der deutschen Burgenromantik gegen Ende des 19. Jahrhunderts, die vor allem den Mittelrhein so sehr geprägt hat. Genau wie die Burgen des Mittelrheins, die heute als Teil des Mittelrheintals zum Weltkulturerbe zählen, ist auch sie im Stil der Neugotik und des Historismus wiedererrichtet worden und hat mit der ursprünglichen Gestalt einer hochmittelalterlichen Burg nicht viel bis gar nichts gemein.
Mehr Informationen, vor allem auch zu den Veranstaltungen in der Reichsburg Cochem finden Sie unter: http://www.burg-cochem.de/



Kommentare