Weinrallye #104 – Gamay worldwide



Ein Beitrag zur Weinrallye #104 ausgerichtet von Stefan Schwytz vom Blog Baccantus.
 
Gamay in Lothringen, Foto: David Lelièvre


Gamay – aber nicht pur

Gamay ist eine Rotweinsorte, die ich erst vor recht kurzer Zeit für mich entdeckt habe und dabei ist der Scherz, dass ich zu dem Zeitpunkt, als ich ihn für mich entdeckte nicht einmal wusste, dass es just diese Rotweinsorte war, die ich da entdeckt hatte. Wie es dazu kam wollen Sie wissen? Ob ich irgendwie zu blind war das Etikett richtig zu lesen?
Nein, Letzteres schon einmal nicht!

Wie diejenigen, die mein Blog häufiger einmal besuchen sicher bereits wissen, habe ich erst vor etwa zwei bis drei Jahren angefangen französische Weine so richtig in mein Leben zu lassen. Der Grund dafür war ein eher zufälliger, denn just zu diesem Zeitpunkt lernte ich, aus Gründen, die nur das Schicksal kennt, immer mehr Franzosen kennen und die tranken nun einmal – wen wunderts – primär französische Weine. Also trank ich mit und begann zu lernen.

Inspiriert durch diese neuen Freundschaften und Erfahrungen fing ich an in das Land meiner Vorfahren zu reisen. Es lag nahe genau dorthin zu reisen, wo meine Großmutter nun einmal herkam: also verschlug es mich nach Lothringen, einem wunderschönen Teil Frankreichs, der allerdings verglichen etwa mit dem Elsass, in Deutschland nahezu unbekannt ist.

Schnell stellte ich fest, dass in Lothringen, nach langer (Zwangs-)Pause, die der Reblaus zu verdanken war, wieder Wein angebaut wird. Inzwischen gibt es in der Region Lothringen zwei AOC-Gebiete: „Moselle“ und „Côtes de Toul“. Gerade einmal 33 Winzer gibt es in diesen beiden Gebieten. Eine kleine Schar wahrer Idealisten und Pioniere, die sich seit Jahren einen immer besseren Ruf verschafft.
AOC Côtes  de Toul, Foto: David Lelièvre

Eben hier, in Lothringen, entdeckte ich den Gamay, aber nicht pur (so dass diese Geschichte zu 10% eigentlich das gesetzte Thema verfehlt). So erklärt sich auch die Überschrift meines Weinrallye-Artikels und auch warum ich zunächst nicht wahrnahm, was ich da im Glas respektive in der Flasche hatte.

Denn es war Sommer, als ich diesen Wein entdeckte und da lag es nah einen Roséwein zu trinken und der hieß schlicht „Gris de Toul“. Eine Spezialität der Winzer im AOC-Gebiet Côtes de Toul und vor allem eine Spezialität der Winzerfamilie Lelièvre aus Lucey. Dieser Gris de Toul war kraftvoll, voluminös und rund, hatte eine herrliche rosagoldene Farbe und duftete nach Erdbeeren und Himbeeren. Auf der Zunge machte sich ein kleiner Obstkorb breit mit roten Beerenfrüchten und Kirschen, verbunden mit einem herrlichen Gefühl von Frische und Leichtigkeit. Kurzum ein Wein, der einfach ganz viel Spaß macht beim Trinken, der herrlich zu den lothringischen Spezialitäten wie Quiche Lorraine und Pâté Lorraine passt und auch würzigen Speisen ein guter Begleiter ist.

Allerdings besteht der Gris de Toul von Lelièvre nicht zu 100% aus Gamay, sondern nur zu 90%. Die übrigen 10%, die man im Glas hat, sind ein Pinot Noir. Die Trauben, die für diesen Wein verantwortlich sind wachsen auf ton- und kalkhaltigen Böden gut geschützt vor den oft heftigen Westwinden, die es in Lothringen gibt. Gelesen werden sie traditionell von Hand und direkt gepresst. Danach gären sie zunächst für 15 Tage im Edelstahltank, bevor sie eine etwa dreimonatige Reifezeit erleben und abgefüllt werden.

Lese des Gamay, Foto: David Lelièvre
Eins jedenfalls hat der Gris de Toul bei mir erreicht, er hat mich ausgesprochen neugierig gemacht auf Gamay und dafür gesorgt, dass ich beim letzten Frankreichbesuch Ausschau gehalten habe nach anderen Weinen in denen sich Gamay verbirgt. Ich bin fündig geworden und werde wohl den Winter damit verbringen mich dem Gamay noch weiter anzunähern und ihn besser kennenzulernen.
Über den eben beschriebenen Gris de Toul hatte ich in der Weinrallye #101 bereits geschrieben. Er war mein „Herzenswein“, denn ich verband einen wunderschönen Tag und einen wunderschönen Abend mit ihm, mit guten Freunden, guter Laune, viel Gelächter und ausgelassener Stimmung. ein Abend, der tragisch enden sollte, was wir aber zu diesem Zeitpunkt, als wir den Gris de Toul tranken, alle noch nicht wussten.

Gris de Toul, Foto: Anja Kircher-Kannemann

Nachtrag

Inzwischen ist der Gris noch mehr zu meinem Herzenswein geworden, denn ein guter Freund, der mit uns an jenem Abend so ausgelassen gefeiert hat ist vor Kurzem verstorben und eben jener Abend mit dem Gris war es, an dem wir zum letzten Mal gemeinsam gefeiert haben und eben jener Gris war es auch, den wir ihm kurze Zeit später noch einmal schenkten und den er trank, als er, angeregt durch unsere Begeisterung, ein Buch über Lothringen las und uns darauf sagte, dass er unbedingt mit uns dorthin wolle.
Wir haben es nicht mehr geschafft. Er hat Lothringen nicht mehr gesehen, nur den Duft und die Stimmung im Glas erlebt.
Und jetzt trinke ich ein Glas vom guten Gris auf Dich HT!
Rest in peace und möge es, wo auch immer Du jetzt bist, stets ein Glas guten Weins geben, vielleicht ja auch einen Gris.

Gris de Toul, Weingut`Lelièvre, Foto: Anja Kircher-Kannemann






Kommentare