Weinorte #1: Kobern-Gondorf, Mosel



Blick auf einen Teil von Kobern-Gondorf mit Mosel und Weinbergen, Foto: Anja Kircher-Kannemann

Kobern-Gondorf ist ein kleines Städtchen an der Mosel mit gut 3000 Einwohner. Es liegt im Landkreis Mayen-Koblenz (Rheinland-Pfalz).
Kobern-Gondorf blickt auf eine lange Geschichte zurück, denn bereits in römischer Zeit existierte dieser Ort. Erstmals urkundlich erwähnt wurde Kobern in einer Schenkungsurkunde des Erzbischofs Egbert von Trier (um 950-993) im Jahr 980. Der Name Koberns lautete damals noch Coverna.
Eine eher dem Reich der Legenden zuzuordnende Lebensbeschreibung des hl. Bischofs Maximin, die etwa 200 Jahre früher verfasst wurde, benennt einen Ort namens cubrunum, in dem ebenfalls Einige den heutigen Ort Kobern sehen möchten.
Bereits im Jahr 871 wurde der Nachbarort der heutigen Doppelgemeinde: Gondorf urkundlich erstmals erwähnt. In der für 980 vorliegenden Urkunde wird der Ort als Gontreve benannt.

Bereits früh existierte hier ein Adelsgeschlecht, das aber bereits um das Jahr 1100 in männlicher Linie ausstarb. Reimbold von Cobern hinterließ lediglich eine Tochter, die mit Gerlach IV. von Isenburg verheiratet wurde und so entstand die neue Adelslinie derer von Isenburg-Cobern. Aber auch diese diese Linie erlosch und zwar bereits im 14. Jahrhundert und diesmal gab es keine Tochter mehr, die eventuell das Erbe hätte indirekt fortführen und eine neue Linie begründen können. So gelangte Kobern durch Kauf an das Kurfürstentum Trier.

Aus jener mittelalterlichen Zeit des Adels und der frühen Dynastien stammen die insgesamt vier Burgen, die sich in den beiden Ortsteilen Gondorf und Kobern heute noch befinden. Neben diesen Burgen haben sich auch viele andere mittelalterliche und frühneuzeitliche Gebäude in der Stadt erhalten. Besonders aber das mittelalterliche Straßennetz prägt den Weinort Kobern-Gondorf bis heute.

Berühmt wurde Gondorf durch den Fund eines Gräberfeldes aus spätrömischer und merowingischer Zeit. Reichtum und Größe dieses Gräberfeldes sind erstaunlich und überragen alle übrigen Funde und Gräberfelder, die im Umkreis gefunden wurden bei weitem. Dies unterstreicht die Aussagen des Hagiographen, Dichters und Bischofs Venantius Fortunatus (um 540-600/610), der in seinem Werk De navigio suoeine Reise, die im Jahr 588 zwischen Trier und Andernach stattfand, beschreibt und den Ort Contrua darin als „antiquum nobilitate caput“ bezeichnete.

Einen weiteren Beweis für die Bedeutung des Ortes in frühmittelalterlicher Zeit stellen zahlreiche Münzen dar, deren Umschrift Contrua Castrum lautet und die eindrucksvoll belegen, dass Gondorf zu jener Zeit, also im 7. nachchristlichen Jahrhundert, eine eigene Münzprägestätte besaß.

Das wohl bekannteste und beeindruckendste Gebäude Gondorfs, das sofort ins Auge sticht, wenn man sich dem Weinort nähert, ist das Schloss Leyen oder auch Schloss Gondorf genannt. Diese im 14. Jahrhundert entstandene Oberburganlage ist der Stammsitz der Herren und späteren Fürsten von der Leyen, die erstmals mit Werner von der Leyen 1272 urkundlich als Gondorfer Oberherren erwähnt wurden. Im Jahr 1527 wurden der Torbau und die Kernburg ergänzt und auch der Trierer Kurfürst JohannVI. (von der Leyen) (um 1510-1567) ließ das Schloss nochmals um 1560 umbauen und erweitern. 
Schloss von der Leyen, Foto: Anja Kircher-Kannemann

Das Schloss von der Leyen stellt eine einzigartige Besonderheit und auch Kuriosität dar, denn es ist das wohl einzige Schloss auf der Welt, das nachträglich in mehrere Teile zerschnitten wurde: Der Bau einer Eisenbahnstrecke entlang der Mosel schnitt im Jahr 1876 die ersten Teile des Schlosses ab. Noch berühmter allerdings wurde es, als 1971 die Bundesstraße 416 gebaut wurde, die unter dem Schloss durch eine Brückenkonstruktion hindurch führt. Heute ist Schloss Leyen eine Außenstelle des Landeshautparchivs in Koblenz.

Die Gondorfer Niederburg, das heutige Schloss Liebieg, wurde vom Ministerialengeschlecht de Gunthreve erbaut und stammt in seinen Ursprüngen wohl aus der Mitte des 13. Jahrhunderts.

Auch in Kobern haben sich zwei Burgen erhalten: eine Ober- und eine Niederburg, die  - anders als die Gondorfer Schlösser – vollständig aus dem Mittelalter stammen und deutlichen Burgencharakter aufweisen: Die Oberburg geht zurück auf das 12. Jahrhundert. Zu ihr gehört die Matthiaskapelle, die zwischen 1220 und 1240 erbaut wurde. 
Kobern: Blick auf Nieder- und Oberburg, Foto: Anja Kircher-Kannemann

Die auf dem gleichen Bergsporn sich erhebende Niederburg stammt ebenfalls aus dem 12. Jahrhundert. Noch unterhalb der Niederburg sticht dem Besucher des Weinortes allerdings zunächst ein allein stehender Turm ins Auge. Es ist dies ein Glockenturm, der wie nicht anders zu vermuten, ebenfalls aus dem 12. Jahrhundert stammenden, Pfarrkirche Koberns. Noch heute ist dieser Turm der Glockenturm der neuen Pfarrkirche, die in den Jahren 1827-1828 als Saalkirche errichtet wurde.
Kobern, Foto: Anja Kircher-Kannemann


Zudem hat sich auf dem Friedhof in Kobern eine wunderschöne gotische Kapelle erhalten – die Dreikönigskapelle, die etwa in der Zeit zwischen 1420 und 1440 errichtet worden ist.

Und da es hier natürlich um Weinorte geht, ist klar, dass Kobern-Gondorf auch als Weinbaugemeinde ausgesprochen bekannt ist. Zwar hat der Weinbau nicht mehr die Bedeutung, die ihm einst in jener Region zukam, doch gibt eshier im „Weinbaubereich Burg Cochem“ an der Untermosel noch immer sechs Weinbaubetriebe. Die Rebfläche beträgt etwa 36 Hektar und ist zu etwa 90 Prozent mit Weißweinrebsorten bestockt. 

Wer mehr über die Geschichte des Weinbaus in dieser Stadt und der Umgebung erfahren möchte, der sollte noch einen Abstecher ins Historische Weinbaumuseum machen. Hier werden Gerätschaften ausgestellt, die in früheren Zeiten der Weinbereitung dienten. Fachkundige Mitglieder des Kultur- und Heimatvereins Gondorf e.V. erklären gerne die einzelnen Exponate und erzählen Geschichten rund um Wein und Mosel.

Für den Besucher hat Kobern-Gondorf neben den bereits beschriebenen Sehenswürdigkeiten eine Menge Highlights zu bieten, so etwa den Norbertusstollen: fast 500 Meter tief reicht er in den Fels und befindet sich 130 tief unter dem Mühlenkopf. Der Norbertusstollen ist eine alte Erzmine, sie entstand nachdem im damals von Frankreich beherrschten Kobern-Gondorf 1809 ein Aufruf erschienen war Erz (Spateisen) zu suchen. Zwischen 1842 und 1895 wurde im Norbertusstollen Erz abgebaut und er beschäftigte bis zu 150 Männer. Heute werden hier Führungen durchgeführt, ausgerüstet mit Helm, Lampe und Stiefeln wird das Dunkel erkundet.

Auch mit Mineralbrunnen kann Kobern-Gondorf dienen. Der Sauerbrunnen und der Guidoborn sind kohlensäuehaltige Mineralquellen, die aus dem Vulkangestein der Eifeler Vulkane sprudeln.

Eine keltische Kultstätte gilt es ebenfalls zu besuchen: den Goloring. Über seine genaue Funktion ist nichts bekannt. Es handelt sich um einen vor 3000 Jahren entstandenen Ringwall mit 190 Metern Durchmesser, 6 Metern Breite und einer Höhe von 1,5 Metern. In der Mitte des Walls erhebt sich eine Art Plattform, die 40 Meter Durchmesser hat und in deren Mitte ein 12 Meter hoher Holzpfahl stand.
Insbesondere für Wanderfreunde hat Kobern-Gondorf einiges zu bieten.

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