Weinbücher #1: Württemberger Weingeschichten




Was könnte besser zu einem Blog mit dem Namen „Weingeschichte-n“ passen, als die Vorstellung eines Buches, das den Begriff „Weingeschichten“ in seinem Titel trägt?
In diesem speziellen Fall sind es „Württemberger Weingeschichten“.
Denkt man an Württemberg, dann denkt man – als Nicht-Württemberger – an zwei Dinge: Zum einen an den wunderbaren Werbeslogan: „Wir können alles außer Hochdeutsch“ (das kann ich als Rheinländerin nur bestätigen) und natürlich an Wein. Das allerdings ist keine neue Erkenntnis, denn schon Friedrich Schiller stellte fest und fragte in seiner „Anthologie auf das Jahr 1782“: »Der Name Wirtemberg schreibt sich von Wirt am Berg. Ein Wirtemberger ohne Wein, kann der ein Wirtemberger sein?«

Bedenkt man dies, so war es eigentlich schon lange überfällig dieses Buch, das hier vor mir liegt und das von Wolfgang Alber und Andreas Vogt zusammengestellt wurde. Eigentlich hätte man schon viel früher einmal die „Württemberger Weingeschichten“ zusammenstellen sollen, denn nicht nur, dass es im Ländle oftmals um Wein geht und er eine herausragende Rolle spielt, es wurde auch viel über ihn geschrieben; nicht zuletzt auch deswegen, weil viele Dichter und Denker aus Württemberg stammten, und auch weil sich viel von ihnen hier sehr wohl fühlten, immer wiederkamen und über ihre Erlebnisse, den Wein, die Menschen und die Landschaft schrieben.
Wolfgang Alber und Andreas Vogt haben auf beinahe 300 Seiten die schönsten, spannendsten und lustigsten dieser Geschichten rund um den Württembergischen Wein zusammengetragen. Ein Mammutprojekt letztendlich, das einfach Spaß macht zu lesen, an vielen Stellen zum Schmunzeln anregt und mit einem guten Württembergischen Wein genossen viele schöne Abende bereitet.
Dabei merkt man dem Buch die Kennerschaft beider Herausgeber bzgl. der württembergischen Kulturgeschichte an:
Wolfgang Alber ist ein ausgewiesener Kenner der württembergischen Kulturgeschichte und Landeskunde, der bereits zahlreiche Veröffentlichungen zu diesen Themen aufzuweisen hat. Der 1948 in Heilbronn geborene Herausgeber, der viele Jahre als Redakteur beim Schwäbischen Tagblatt tätig war, studierte Soziologie, Empirische Kulturwissenschaften sowie Rechtswissenschaft in Tübingen.
Auch Andreas Vogt, der 1970 in Ellwangen/Jagst geboren wurde und ebenfalls Empirische Kulturwissenschaft studierte und ebenso Kunstgeschichte, ist in der württembergischen Kulturgeschichte versiert. So arbeitete er im Bereich Denkmalpflege, sowie an Editionsprojekten und ist seit 2007 beim Kulturamt in Reutlingen beschäftigt.

Vieles gibt es in diesem Buch zu erfahren, über die Kulturgeschichte des Weins in Württemberg und auch in Baden, über das „Land der Dichter und Trinker“, wie die Herausgeber das erste Kapitel benannt haben, auch über die Kulturlandschaft, die gerade hier so sehr vom Wein geprägt wurde und natürlich über des Württembergers liebstes Kind – den Trollinger.


Das Vorwort zu diesem Buch, das nicht nur Weinliebhaber begeistern dürfte, schrieb der bekannte und renommierte britische Weinjournalist Stuart Pigott und der spricht in den höchsten Tönen vom „Weinwunder Württemberg“. Jeder Zeile merkt man seine Begeisterung für diese Weine an und selbst für den Trollinger, der so oft verschrien wurde als „Saufwein“ und erst langsam wieder den Weg findet in die Keller und in die Gläser der Weinliebhaber.


Zusammengetragen haben die Herausgeber Wolfgang Alber und Andreas Vogt Texte von insgesamt 89 Autoren, darunter ausgesprochen bekannte, wie Friedrich Schiller, Mark Twain, Ludwig Uhland, Eduard Mörike und Joachim Ringelnatz aber auch von eher unbekannten Autorinnen und Autoren wie Sophie von La Roche oder Theobald Kerner. Zeitlich reicht die Auswahl der Texte vom Minnesänger Gottfried von Neifen bis hin zum Meisterkoch Vincent Klink und beinhaltet promilleselige Trinklieder von Ludwig Uhland und Eduard Mörike ebenso wie Friedrich Hölderlins „Hymnus auf das selige Land mit den weinbestockten Hügeln“ oder Walle Sayers lyrische Degustationsnotizen. Ein breites Spektrum also, das viel erzählt über das Weinland Württemberg, seine Winzer und Weine, aber auch über seine Sprache, in die man als Nicht-Württemberger erst einmal hineinfinden muss, die dann aber wirklich Spaß macht (hier ein kleiner Tipp: Mit einem Glas Trollinger versteht man diese Sprache übrigens gleich deutlich schneller und leichter).

Dabei richten sich die Württemberger Weingeschichten längst nicht nur an Weinliebhaber, sondern auch an all die, die Württemberg selbst näher kennenlernen möchten, denn Württemberg ohne Wein zu denken, heißt wohl Württemberg nicht zu verstehen.  So ist dieses Buch eine schöne und unterhaltende Lektüre für alle Genussmenschen und alle Neugierigen, die diesen südlichen Teil Deutschlands näher kennenlernen möchten.

Eine besondere Zugabe findet der Leser im hinteren Teil des Buches: Hier sind nicht nur alle 89 Autoren namentlich aufgeführt, sondern es gibt auch zu jedem von ihnen eine kurze Biographie, so dass man auch etwas über die Hintergründe der gelesenen Geschichten erfährt und ein klein wenig die Menschen kennenlernen kann, die sie geschrieben haben.

 


Wolfgang Alber, Andreas Vogt (Hg.): Württemberger Weingeschichten. Mit einem Vorwort von Stuart Pigott. 296 Seiten, geb. mit Schutzumschlag, Lesebändchen. Klöpfer & Meyer Verlag, Reutlingen, 2016. ISBN 978-3-86351-418-1. [D] 25,– / [A] 25,70. 
Sie erhalten das Buch im Buchhandel oder hier.

Eine Leseprobe des Buches finden Sie hier.

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